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Als die Polizei kam, läuteten Glocken
ein Bericht von R. Hummel, RieserNachrichten, 8.10.02
Zwölf Stämme: Bereitschaftspolizei bringt Kinder mit Gewalt zur Schule nach Deiningen - Landrat wohnte der Aktion bei
Klosterzimmern/Deiningen (hum).Der Tag beginnt idyllisch auf dem Gelände des einstigen Klosters: Schafe im Morgennebel, Hühner kommen mit der aufgehenden Sonne heraus. Jäh bricht die Idylle ab: „Sie kommen!“, alarmiert ein Mitglied der „Zwölf Stämme“ seine Glaubensgemeinschaft. Bereitschaftspolizei fährt auf, Eltern flüchten mit den Kindern, die zur Schule abgeholt werden sollen, in die Kirche (siehe weitere Berichte und Kommentare).Inmitten ranghoher Polizisten kommt Landrat Stefan Rößle auf das Gelände, Vertreter von Jugendamt und andere Behörden im Tross. Rößle verhandelt vor dem Kirchenportal mit Sprechern der Glaubensgemeinschaft. Diese berufen sich auf die Kirche und den Gottesdienst, den sie beim Eintreffen der Polizei begannen. Landrat Rößle setzt eine Frist von 30 Minuten. Draußen sammeln sich immer mehr Polizisten in Zivil und Uniform, drinnen singen und tanzen die Eltern mit ihren Kindern. An der Straße vor dem Gelände fährt ein Rotkreuzwagen aus Nördlingen vor.Heftige SzenenAls die Frist abläuft, spitzt sich die Situation zu: Die Polizei dringt in die Kirche ein, Eltern stellen sich schützend vor die Kinder, die geholt werden sollen, die Kinder klammern sich fest. Medienvertreter werden aus dem Einsatzort Kirche verwiesen. Wie Zeugen von der Glaubensgemeinschaft kurz darauf aussagen, kommt es zu heftigen Szenen in der Kirche: Eltern werden in den Polizeigriff genommen, am Kopf festgehalten, während Bereitschaftspolizisten - hauptsächlich junge Beamtinnen - die Kinder wegzerren, aus der Kirche führen oder tragen. Ein 17-jähriges Mädchen, selbst nicht mehr schulpflichtig, hält ihre beiden Brüder fest - vier Beamtinnen tragen sie daraufhin aus der Kirche. Andere Kinder klammern sich verängstigt an ihre Eltern, von denen sie an uniformierten Beamten vorbei in den wartenden Zivilbus geführt werden.Während der gesamten Aktion, die sich über eine halbe Stunde lang hinzieht, läuten die Kirchenglocken. „Der Freistaat Bayern entführt meinen Sohn“, ruft ein Mann aus Niedersachsen, der mit seiner Familie zu Gast hier ist. Man hört nicht auf seine Beteuerungen, doch die Polizei lässt den Jungen später vor der Volksschule Deiningen mit seinen Eltern gehen.Vor der Schule weigern sich Eltern und Kinder zunächst auszusteigen - nur eines von vielen Signalen der „Zwölf Stämme“, dass sie nicht einlenken wollen. Ein hoher Polizeibeamter redet auf die Eltern ein, weitere Gewalt zu vermeiden. Schließlich gehen sie mit ihren Kindern zusammen in die Schule. Das Schulgelände wurde vom Rektor für die Öffentlichkeit gesperrt.„Das ist ein Machtkampf“„Das hier ist ein Machtkampf“, kommentiert ein Angehöriger der Zwölf Stämme das Geschehen. „Wem gehören die Kinder, dem Staat oder den Eltern?“Und auf die Frage, wie es jetzt weitergehen soll: „Wir hoffen, dass die Leute sehen, dass wir ein gemeinsames Leben mit unseren Kindern führen wollen.“
08.10.2002
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