Die Eltern der                                                                                                           18.12.03

Gemeinschaft Klosterzimmern                                                

86738  Deiningen

 

 

 

 

An die

Kultusministerin Frau Hohlmeier

Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Salvatorstraße 2
80333 München

 

 

 

Betr.: Notwendigkeit eines Gesprächstermin

 

 

 

Sehr geehrte Frau Hohlmeier,

 

mit Interesse habe ich Ihr Interview in der Süddeutschen Zeitung („Es fehlt der Konsens in Erziehungsfragen“) vom 10. Dezember gelesen und habe dabei gespürt, dass auch Sie sich eine bessere Weitergabe von gesunden Werten an die jungen Generationen wünschen.

Gerade christliche Werte wie Familie, Treue in der Ehe, Herzens- und Gewissensbildung waren ja die Angriffsziele der 68er und sind heute in der Gesellschaft nur noch bruchstückhaft vorhanden. Diese ideologische und systematische Zerstörung von Familie hat vor 25 Jahren erst den Weg für die sexuelle (Werte-) Revolution gebahnt und hat jeden Winkel unserer Republik erreicht: Medien, Politik und vor allem die (Hoch-) Schulen.

            Sozialisation ist - im Kern- die Weitergabe von Werten von einer zur nächsten Generation. Sie verleiht einer Gesellschaft Ordnung und Stabilität. Sozialisation fand früher überwiegend im häuslichen und dörflichen Rahmen statt. Heutzutage aber bestimmen die Medien und unsere Spaß-Gesellschaft was „angesagt“ und wichtig ist. Und die jungen Menschen ziehen diese Werte den Werten ihrer Eltern vor. „Peer pressure“ (Gruppendruck) gibt den Ton an. Hillary Clinton schreibt in ihrem Buch „It takes a Village“, dass wir wieder eine „Dorf-Kultur“ und solide Werte brauchen.

           

            Gerade dies ist einer der Hauptgründe, warum wir unsere Kinder nicht in eine öffentliche Schule schicken können. Die Schule ist angeblich zur Wertneutralität verpflichtet, was in der Realität aber bedeutet,  dass sehr viele Kinder in einem Wertevakuum aufwachsen, moralisch orientierungslos und - bis zum Erwachsenenalter - verunsichert bleiben und gar nicht mehr wissen, was Gut und was Böse ist. Wir haben für unsere Kinder klare Werte, die auf dem Wort Gottes und dem Evangelium basieren. Gerade weil sie nicht täglich zwischen den Wertewelten Elternhaus und öffentlicher Schule hin- und hergerissen werden, sind unsere Kinder selbstbewusst und sehr wohl in der Lage, sich ihre eigene Meinung über Dinge zu bilden.

 

            Wir unterrichten unsere Kinder schon seit über 20 Jahren( im Ausland und in Deutschland) zu Hause. Unsere inzwischen erwachsenen „Kinder“ sind es, die uns bestätigen und ermutigen, diesen Weg geradlinig weiter zu gehen. Sie sind dankbar für ihre Erziehung und auch ihre schulische Ausbildung, die sie in der Gemeinschaft erfahren haben. Einige von ihnen haben inzwischen geheiratet und erziehen selber Kinder. Und auch sie können es nicht mit ihrem Glauben und ihrem Gewissen vereinbaren, ihre eigenen Kinder auf die heutige öffentliche Schule zu schicken, in der unmoralisches Verhalten (von Schüler-

 

                                                           - 2 -

 

und Lehrerschaft) allgemein akzeptiert wird, in der Vulgärsprache an der Tagesordnung ist und ihr kindliches Gewissen gänzlich Schaden nehmen würde.

 

Kürzlich hat ein Journalist in den Nürnberger Nachrichten in seinem Kommentar gefordert, dass im Streit um die Schulpflicht „etwas Lockerung sinnvoll“ wäre.  Dem können wir uns nur anschließen. Wie soll es sonst in unserer Angelegenheit weitergehen? Wir hoffen immer noch auf eine gütliche Einigung mit dem bayerischen Kultusministerium, bei dem keiner als „Verlierer“ dastehen muss, sondern alle als „Gewinner“: Das Kultusministerium, weil es die Schulaufsicht über uns führen kann und somit sicherstellen kann, dass unsere Kinder tatsächlich unterrichtet werden und mit anderen Kindern mithalten; wir Eltern, weil unser Gewissens- und Glaubenskonflikt erkannt und beschützt wird; und vor allem unsere Kinder, deren Lebensglück, Sicherheit und Geborgenheit bewahrt wird, weil ihre Familien nicht (in Wertewelten) auseinander gerissen werden.

 

Weitere Bußgelder, Zwangshaft und Entzug des Sorgerechtes sind nicht im Sinne des Kindeswohl. Wie soll eine Ausbildung in der öffentlichen Schule auf den Trümmern einer zerstörten Familie erfolgreich sein? Das ist doch absurd! Wären unsere Kinder vernachlässigt und verwahrlost, gäbe es wohl eine Rechtfertigung zum Einschreiten der Behörden. Aber in unserem Falle ist doch genau das Gegenteil der Fall: Unsere Kinder wachsen in harmonischen Familien auf und werden jeden Tag von pädagogisch geschulten Männern und Frauen ihrem Alter entsprechend in allen notwendigen Kulturtechniken unterrichtet. Bitte überzeugen Sie sich persönlich davon, dass das, was ich hier beschreibe, wirklich Realität ist.

 

Leider waren Sie bisher nicht bereit, uns einen persönlichen Gesprächstermin oder ein Gespräch mit einem Ihrer Mitarbeiter zu vermitteln. Von einer Bekannten hier im Ries haben wir erfahren, dass Sie im Grunde sehr bürgernah sind und auch schon spontan Bürger, die anderweitig in Ihrem Ministerium zu tun hatten, in Ihrem Büro empfangen haben, um Wichtiges aus erster Hand zu erfahren.

 

            Einige Vertreter unserer Gemeinschaft  werden aus diesem Grunde am

 

Mittwoch, den 28. Januar 2004

 

in Ihr Ministerium nach München kommen, um uns und unser Anliegen Ihnen persönlich vorzustellen. Wir sind fest entschlossen zu kommen! Falls Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter wirklich an diesem Tag verhindert sein sollte, teilen Sie uns bitte einen Ausweichtermin mit.

 

Unser Anliegen ist von großer Wichtigkeit. Letztlich geht es um die Zukunft und das Wohl von 15 Familien mit mehr als 30 schulpflichtigen Kindern! Das muss Ihnen etwas Zeit wert sein!

      

 

Mit freundlichen Grüßen,

  

i.A. Holger Röhrs

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