Offener Brief an Frau Hohlmeier,
Bayrische Kultusministerin
Kontroverse um den Heimschulunterricht in Klosterzimmern
München, den 29.01-04
Sehr geehrte Frau Hohlmeier,
wir konnten Ihre Empörung über die ursprüngliche Absicht des Finanzamtes, die Familiengruft Ihrer Eltern zu pfänden, gut nachvollziehen. Auch wir fanden dieses Vorgehen der Behörden pietätlos und Ihrer ganzen Familie gegenüber sehr unsensibel. Es war nur rechtens, dass dem Einhalt geboten wurde.
In unserem Fall allerdings sind die bayerischen Behörden weniger zimperlich und die Rechte von Familien und Kindern scheinen nicht viel zu zählen. Was zählt sind Paragraphen und das unermüdliche Verweisen auf das Schulpflichtgesetz. Unsere wiederholten Anfragen nach einem Gesprächstermin verhallen ungehört in den großen Fluren Ihres Ministeriums. Unser Gewissenkonflikt und unser verbindlicher Glaube werden schlichtweg ignoriert bzw. von Ihnen als elterliche Verantwortungslosigkeit dargestellt. Art. 4 des deutschen Grundgesetzes besagt, dass der Glaube eines Menschen unverletzlich sei. In Bayern jedoch nur auf dem Papier, denn die bayerische Verwaltungs-Maschinerie rollt unaufhörlich weiter und verletzt nicht nur unseren Glauben, sondern ist im Begriff, die hier lebenden Familien zu zerstören:
Alle Familien in Klosterzimmern unterstehen seit geraumer Zeit der Pfändung des Finanzamtes oder müssen sogar eidesstattliche Versicherungen abgeben, welche den wirtschaftlichen Ruin dieser Familien bedeuten. Aber das scheint dem bayerischen Staat nicht auszureichen. Jetzt werden von der Staatsanwaltschaft Augsburg Erzwingungshaftstrafen für die Väter und sogar Mütter(die teilweise noch Säuglinge stillen) angeordnet, damit die Eltern endlich die Bußgelder zahlen und ihre Kinder in die Schule schicken.
Frau Hohlmeier, in unserem Fall geht es um 15 Familien mit über 30 Kindern, die seit Jahren erfolgreich zu Hause unterrichtet werden. Weitere Bußgelder, Zwangshaft und Entzug des Sorgerechtes sind nicht im Sinne des Kindeswohls. Hoffentlich auch nicht in Ihrem, denn wie soll eine Ausbildung in der öffentlichen Schule auf den Trümmern einer zerstörten Familie erfolgreich sein? PISA lehrt uns, dass der Rückhalt einer harmonischen Familie ein Schlüssel zum Lernerfolg ist.
Die Schule ist zur Wertneutralität, zur Toleranz allen Werten und Ansichten gegenüber, verpflichtet, was in der Realität aber bedeutet, dass sehr viele Kinder in einem Wertevakuum aufwachsen, moralisch orientierungslos und - bis zum Erwachsenenalter - verunsichert bleiben und nicht mehr wissen, was moralisch richtig und falsch, was gut und böse ist. Verbindliche Werte wie Familie, Treue in der Familie, Herzens- und Gewissensbildung, Fleiß und Ehrlichkeit haben immer weniger Bedeutung.
Unser Glauben ist für uns verbindlich und wir können keine Kompromisse mit unserem Gewissen eingehen. Wir haben für unsere Kinder klare und gesunde Werte, die auf dem Wort Gottes und dem Evangelium basieren. Gerade weil sie nicht täglich zwischen den Wertewelten Elternhaus und öffentlicher Schule hin- und hergerissen werden, sind unsere Kinder selbstbewusst und sehr wohl in der Lage, sich ihre eigene Meinung über Dinge zu bilden und einen geraden Weg zu gehen.
Wären unsere Kinder vernachlässigt und verwahrlost, gäbe es wohl eine Rechtfertigung zum Einschreiten der Behörden. Aber in unserem Falle ist doch genau das Gegenteil der Fall: Unsere Kinder wachsen in harmonischen Familien auf und werden jeden Tag von pädagogisch geschulten Männern und Frauen ihrem Alter entsprechend in allen notwendigen Kulturtechniken unterrichtet.
Frau Hohlmeier, Sie würden sich darüber freuen zu sehen, wie die Ziele des bayerischen Bildungsplanes und die Anforderungen der Bayerischen Verfassung an den Schulunterricht (Art. 131) bei uns erfüllt werden und wie unsere Kinder aufwachsen, täglich den fürsorgevollen Umgang miteinander, mit Erwachsenen und mit Tieren und der Natur lernen.
Wir glauben fest daran, dass - der gute Wille vorausgesetzt- der Heimunterricht in Bayern genauso erfolgreich praktiziert werden könnte wie bei unseren Nachbarn und es in unserem Fall zu einer gütlichen Einigung mit dem bayerischen Kultusministerium kommen kann, bei dem keiner als „Verlierer“ dastehen muss, sondern alle als „Gewinner“: Das Kultusministerium, weil es die Aufsicht über unseren Heimschulunterricht führen kann und somit sicherstellen kann, dass unsere Kinder tatsächlich unterrichtet werden und mit anderen Kindern mithalten; wir Eltern, weil unser Gewissens- und Glaubenskonflikt erkannt und beschützt wird; und vor allem unsere Kinder, deren Lebensglück, Geborgenheit und moralische Integrität bewahrt wird, weil ihre Familien nicht (in Wertewelten) auseinander gerissen werden.
Wenn es Ihnen wirklich um das Wohl unserer Kinder geht, appellieren wir an Sie, Frau Hohlmeier, eine Möglichkeit zu schaffen, dass wir Familien in Bayern friedlich leben und unsere Kinder gemäß unserem biblischen Glauben zu selbstbewussten und verantwortungsvollen Menschen erziehen können, die Gott und ihren Nächsten lieben so wie sich selbst.
Mit freundlichen Grüßen,
die Eltern der Gemeinschaft in Klosterzimmern