Gewissensnot Rieser Nachrichten 16.08.04

Leserbrief zum Artikel „Zwölf Stämmen droht jetzt Haft" vom 10. August und zum Leserbrief „Kasperl-Artikel" vom 12. August erreichte uns folgende Zuschrift:

 

„Die Tatsache, dass unsere Gewissensnot in einem Leserbrief als Kasperl-Theater bezeich­net wird, zeigt, wie wenig heutzutage das Ge­wissen als verbindliche(!)Richtschnur unse­res Handelns erkannt wird.

 

Haben vor 60 Jahren die Verweigerer des Kriegsdienstes und des Hitlergrußes, die für ihr Verhalten mit Gefängnis oder Tod bestraft wurden, 'ein Kasperl-Theater' veranstaltet oder hatten sie eine wahre innere Gewissens­not?

 

Unser häuslicher Unterricht entspringt der tiefen Überzeugung, dass wir Eltern vor unse­rem Gewissen und vor Gott für die Erziehung unserer Kinder verantwortlich sind. Vorder­gründig ist dabei ihre Herzens- und Gewis­sensbildung sowie das Erlernen ethischer und moralischer Werte, für das uns Gottes Wort (Bibel) eindeutige Maßstäbe aufzeigt. Diese Erziehung wird in der öffentlichen Schule durch Gruppenzwänge, Einfluss der Medien und Moden unterlaufen.

 

Die Zeitungen zeigen uns täglich die Folgen des schulischen Wertevakuums (offiziell 'Wertneutralität'): Zunahme von Drogen, Al­kohol, Rauchen, Gewalt und Abtreibungen auf Grund von moralischer Orientierungslo-sigkeit.

 

Die Schuld ist jedoch nicht bei den Schü­lern oder Lehrern zu suchen. Kinder brau­chen gute Vorbilder. Wir Erwachsene werden immer das ernten, was wir in unseren Kindern säen. In unserem Glauben und in unserem ge­meinsamen Leben haben wir Eltern in Klos­terzimmern die Lösung für solche Probleme gefunden.

 

Daher erziehen wir unsere Kinder gemäß der Bergpredigt zur Nächstenliebe, in der Schule aber werden Ellbogen erwartet. Die anstehende Erzwingungshaft soll unsere Überzeugung ändern; sie ist kein Ersatz für das verhängte Bußgeld. Bußgelder und Ge­fängnisstrafen können jedoch bei einer wah­ren Gewissensüberzeugung nicht greifen. Das Schulpflichtgesetz wurde nicht für einen Fall wie den unsrigen geschaffen.

 

Die preußische Schulpflicht sollte Kinder vom Feld holen, um ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen.

 

Bekommen die Kinder aber anderweitig ei­nen gleichwertigen Unterricht, wird der Ab­sicht des Schulpflichtgesetzes Rechnung ge­tragen.

 

Im Übrigen ist Deutschland diesbezüglich ein weißer Fleck auf der europäischen Bil­dungslandkarte. Alle Länder der EU genehmi­gen bzw. tolerieren den Unterricht zu Hause und stellen ihn unter staatliche Aufsicht."

 

Holger Rohrs

Gemeinschaft Klosterzimmern Deiningen