Eigentlich sind Regierungen dafür da, um den Menschen
zu helfen. Die Politiker sollten Diener des Volkes sein. Die DDR
war ein Staat, der alle Menschen durch einen Staatssicherheitsdienst
überwachen ließ und für seine Zwecke ausnutzte.
Der Staat bestimmte über das Leben der Menschen und nahm
ihnen sämtliche Freiheit. Als ich an der Ostsee aufwuchs,
bekam ich von all dem gar nicht soviel mit. Erst als ich mit 19
Jahren nach Berlin zog, erkannte ich, wie ungerecht alles war.
Ich kämpfte ständig gegen alles Mögliche an, aber
verändern konnte ich nichts. Ich wollte Freiheit,
war aber in einem System gefangen, das keine Freiheit für
die Menschen erlaubte.
Die Menschenrechte wurden in der DDR grob mißachtet. Hasen
konnten vom Osten in den Westen hüpfen, aber Menschen wurden
dafür erschossen.
Ich kämpfte ständig gegen alles Mögliche an, aber verändern konnte ich nichts. Ich wollte Freiheit, war aber in einem System gefangen, das keine Freiheit für die Menschen erlaubte.
Mit 27 Jahren bekam ich meinen Sohn. Ich lebte allein mit ihm
in einer hübschen, kleinen Mansardenwohnung in Berlin-Mitte.
Ich hatte einen "guten" Beruf als Krippenerzieherin,
viele Freunde, Eltern und Geschwister, die mich unterstützten,
aber ich war unzufrieden. Mein Leben war eingeschränkt, sinnlos
und leer.
Ich wollte 'raus aus diesem Trott. Tag für Tag mußte
ich mein Kind fremden Menschen geben, um Geld zu verdienen, dann
einkaufen, Wäsche waschen, kochen, saubermachen, fernsehen,
einmal im Jahr Urlaub... So würde mein Leben aussehen, bis
ich 60 Jahre alt wäre, dann dürfte ich vielleicht
ein- oder zweimal als Höhepunkt meines Lebens in den Westen
fahren. Es gab keine Hoffnung, von diesem vom Staat vorbestimmten
Weg loszukommen.
Sämtliche Proteste und Auflehnung gegen den Staat wurden
radikal gestoppt. Die Menschen sprachen immer noch von einer Demonstration
gegen den Sozialismus auf der Karl-Marx-Allee in Berlin, bei der
Hunderte Menschen auf offener Straße von Panzern attackiert
und erschossen wurden. Lange Zeit trauten sich die Menschen nicht
mehr, die Wahrheit über diesen Staat und seine Machenschaften
zu sagen.
Im Oktober 1989 demonstrierten öffentlich einige Tausende
mutige Menschen in Leipzig. Sie forderten Freiheit in allen Bereichen
des Lebens und die Einhaltung der Menschenrechte.
Es wäre ein Leichtes gewesen, diese Demonstration gewaltsam
zu unterbinden, aber... der Staat blieb ruhig. Das Volk aber wurde
wach: Überall in der DDR versammelten sich jeden Abend Zehntausende
Menschen in den eiskalten, aber überfüllten Kirchen,
um zu demonstrieren. Ich war zu der Zeit an der Ostsee bei meinen
Eltern, und auch ich ging oft mit zu diesen Friedensveranstaltungen.
Wir gingen schweigend durch die Straßen der Städte,
jeder mit einer Kerze in der Hand. Alle Straßenzüge
wurden friedlich durchgeführt, und trotzdem hatten wir Angst
und erwarteten das Eingreifen der Staatsmächte durch Armee
und Polizei. Doch es blieb aus. Im Gegenteil: Nach ungefähr
einer Woche stellten sich die Politiker den Fragen des Volkes.
Es war ein großer Erfolg, und wir hofften, dieses System
irgendwie verändern zu können. Größere Erwartungen
hatten wir eigentlich nicht.
Ich fuhr zurück nach Berlin. Eines Abends hörten ein
Freund und ich im Fernsehen den Aufruf:
"Bürger von Ostberlin! Nehmt eure Personalausweise und kommt zur Grenze! Die Grenze ist auf!"
Es dauerte lange, bis ich die Worte verstand, aber glauben konnte ich es nicht.
Da wir nur fünf Minuten vom Grenzübergang Invalidenstraße
in Berlin entfernt wohnten, sind wir einfach hingegangen, um zu
sehen, was los war.
Es war gegen Mitternacht. Alles war still und dunkel. Wir waren
die ersten dort, als ein Beamter herauskam und "freundlich"
sagte: "Warten Sie hier bitte! In fünf Minuten öffnen
wir die Grenze." Wir konnten es nicht fassen:
Noch einen Tag vorher wären wir erschossen worden, und jetzt
konnten wir gehen... Was war los?
Fragen, Mißtrauen, Angst, Freude...
Ein paar Minuten später kamen Menschen von überallher.
Alle aufgeregt und verwirrt und dann... ging die Schranke hoch.
Wir zeigten unsere Ausweise und durften weitergehen weitergehen
auf dem Todesstreifen, auf dem viele Menschen erschossen worden
waren, weil sie frei sein wollten. Wir gingen, keiner sagte etwas.
Ich hatte Angst "Wo war der Westen? Wann waren wir
da? Würden wir je lebendig dort ankommen?"
Dann sahen wir Menschen, viele Menschen. Sie riefen und schrien, lachten und weinten. Alte Menschen weinten und umarmten uns -- "Daß wir das noch erleben dürfen...!"
Ich war gerührt, empfand aber alles wie einen Traum. Ein junger Mann bot sich an, uns die Stadt zu zeigen. Alles war umsonst: Busse, Bahnen usw. Die Straßen waren voller hupender Trabis. Menschen schauten aus den Fenstern. Sektkorken knallten, überall Lachen und Weinen vor Freude. In dieser Stadt schlief niemand in dieser Nacht. Die Mauer war auf! War sie das wirklich? Ich hatte wieder Hoffnung, denn endlich würden wir frei sein, und ich war dankbar für all die freundlichen, mitfühlenden, wunderbaren Menschen, die wir in der Nacht in West-Berlin getroffen hatten. Aber wo waren all diese wundervollen Menschen einige Wochen später? Die Menschen lehnten uns ab, wenn wir in den Westteil kamen, um für unsere Familien einzukaufen. Ich spürte bald, daß wir unerwünscht waren, und so ging ich nur ganz, ganz selten 'rüber.
"Wo war die Liebe der Menschen? Warum konnten wir nicht in Frieden und Harmonie zusammenleben?" -- Wir brauchten Hilfe, viel Hilfe, denn alles war neu für uns.
Ich hatte Angst vor der Zukunft und war einsam und hoffnungslos.
Die Steinmauer war zwar weg, aber die Mauer in den Herzen der
Menschen stand fest. Ich fing an zu suchen nach einem Leben
mit Zukunft, nach Liebe und Freiheit. Ich wollte lieben lernen,
aber wo und wie? Nach kurzer Zeit fand ich heraus, daß ich
gar nicht lieben konnte. Ich versagte ständig. Alles ging
kaputt, und ich war nicht in der Lage, mit einem Menschen in Frieden
und Harmonie zusammenzuleben. Da waren Mauern in mir, die ich
nicht überwinden konnte. Diese Mauern waren das wahre Gefängnis,
in dem ich mich befand; aber ich wollte doch frei sein... Ich
suchte im Christentum, aber dort fand ich nur leere Worte, aber
kein Leben in Liebe. Ich war so enttäuscht
bis ich eine Zeitschrift zu lesen bekam, die mein ganzes Leben
verändert hat.
Diese berichtete über 150 Menschen verschiedener Nationalitäten,
die in Liebe, Harmonie, Frieden und Einigkeit zusammenlebten und
die erkannt hatten, daß man nur durch Gott mit Menschen
in Frieden zusammenleben kann. Sie sprachen von Vergebung und
Freiheit. Ich wünschte mir so sehr, diese Menschen kennenzulernen,
also besuchte ich sie. Ich wurde nicht enttäuscht, sondern
fand genau das Leben, das ich immer gesucht hatte.
Es war Realität! Kein Traum.
Ich erkenne auch mehr und mehr die Mauer, die um mein Herz herum ist und mich von anderen Menschen und von Gott trennen will. Sie besteht aus vielen Steinen: Egoismus, Gier, Streben, Neid, Eifersucht, Stolz... und vielem mehr.
Jetzt lebe ich mit diesen Menschen seit sechs Jahren [d.h.
seit 1990 — der Artikel wurde 1990 verfaßt]
zusammen.
Sie sind meine Familie, meine Freunde. Ich lerne wieder, zu vertrauen.
Ich erkenne auch mehr und mehr die Mauer, die um mein Herz herum
ist und mich von anderen Menschen und von Gott trennen will. Sie
besteht aus vielen Steinen: Egoismus, Gier, Streben, Neid, Eifersucht,
Stolz... und vielem mehr.
Hier bin ich an einem Ort, an dem diese Mauer jeden Tag etwas
mehr einfällt und zwar durch die Vergebung unseres Meisters
Jahschua, durch Seine große
Liebe. Wir alle glauben an Jahschua, denn nur durch Ihn ist dieses
Leben möglich. Ein Leben, in dem nicht mehr nur über
die Liebe geredet wird, sondern wo sie tagtäglich gelebt
wird. Mein Sohn und ich sind glücklich und endlich zufrieden
und frei. Vergebung ist die Grundlage, um wirklich frei zu sein.
EIN LEBEN OHNE MAUERN...
Mein Name ist Drorah, das bedeutet Freiheit.
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