Kann Gemeinschaft funktionieren?
Seit Menschengedenken waren Versuche, in Gemeinschaft zusammenzuleben, immer wieder mit Schwierigkeiten behaftet und standen vor großen Herausforderungen. Wenn es leicht wäre, würden wahrscheinlich alle gemeinschaftlich leben, da der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist. Man bräuchte dann nicht nach einem besseren Weg suchen. Da gibt es heute eine ganze Bewegung von Menschen, die zweckmäßig zusammenleben und sich um ein bestimmtes Ziel, ein Ideal oder eine bestimmte Überzeugung scharen. Zum Beispiel wollen manche umweltbewusster leben, um so die Erde zu bewahren. Andere haben den Wunsch, unter Menschen zu landen, die gleich denken und handeln, womit die Chancen besser wären, ein ständiges Zuhause zu finden, das sich dann nicht auflöst und in alle Winde verweht wird. In der Regel kann die Wirklichkeit mit diesen Ansprüchen nicht mithalten und man zieht einfach weiter oder gibt auf.
Hierzulande und auf der ganzen Welt fragen sich viele, warum Gemeinschaften scheitern. Man hat den Eindruck, dass wenn Menschen über mehr als eine Generation hinweg in Gemeinschaft leben, sie ihre Zielorientierung und Absicht langsam aus den Augen verlieren. Oft bleibt praktisch nichts oder schlichtweg Passivität übrig. Der Einzelne erstrebt einfach Bequemlichkeit oder einen höheren Lebensstandard oder er erliegt der Sogwirkung der breiten Gesellschaft. In letzter Zeit hat das Internet-Computernetz Rekordzahlen an neuen Teilnehmern verbucht. Wird das Cyberspace die Gemeinschaft der Zukunft werden?
Scheinbar kommen die Menschen -egal, wie sehr sie sich auch bemühen- doch immer wieder in den Sog der breiten Gesellschaft, sinken auf das Niveau der allgemeinen Kultur herab, werden von ihr eingenommen und sind zum Dahinsiechen im Status Quo verurteilt. Glaubensgemeinschaften, die einmal als radikale Erneuerung des Christentums anfingen, lösen sich oft wegen interner Unstimmigkeiten auf oder werden schließlich als Denominationen unter den Großkirchen akzeptiert.
Es gab da jedoch eine Gemeinschaft, die anders war als alle anderen, weil die Menschen, die sie bildeten, nicht aus einem Grund zusammenlebten, der Gemeinschaftlern bekannt wäre und zwar die Urkirche, die vor 2000 Jahren entstand. Diese Gemeinschaft war die Antwort auf das Leben, den Tod und die Wiederauferstehung eines Mannes, der als Jahschua1 bekannt war. Er führte ein bemerkenswertes Leben der Liebe und gab sich ständig anderen hin. Durch seine Lehren begründete Jahschua eine ganz neue Lebensart und verkündigte, dass das Königreich des Himmels unter den Jüngern war. Sein Opfertod für die Sünden der ganzen Welt war die Grundlage für den Aufbau dieses einzigartigen Königreiches. Von alters her haben Propheten davon gesprochen. An Pfingsten antworteten etwa 3000 Menschen auf die gute Nachricht. Es waren diejenigen, die wussten, dass sie für ihre früheren Taten und ihre Lebensführung Vergebung brauchten. Eine Gemeinschaft entstand, als diese Menschen zur Vergebung ihrer Sünden getauft wurden. Dadurch antworteten sie auf die radikale Botschaft von der Liebe, die der Meister für sie hatte. Sie waren von seiner Liebe ganz eingenommen, wollten in ihr verbleiben und nicht mehr auseinandergehen. Keiner wollte zu seinem früheren Leben zurückkehren. Sie hatten die Wahrheit gefunden, den Weg, wie man wirklich einander Liebe zeigt.
Diese Jünger wurden nicht durch eine gemeinsame Vorstellung von Gemeinschaft zusammengebracht. Sie antworteten lediglich auf die Liebe und die Vergebung des Messias. Das volle Ausmaß seiner Liebe für uns bestand darin, dass er den Tod am Kreuz starb. Die Leiden des Todes, den er daraufhin erfuhr, waren jedoch ungleich größer und bezahlten für unsere Sünden. Ihre Antwort darauf war, dass sie tatsächlich seinen Lehren folgten und einander radikal anders behandelten. Eine völlig andere Lebensart, die auf ihn gründete, war das Fundament ihrer Gemeinschaft. Es fing vor 2000 Jahren in Jerusalem damit an, dass Menschen tatsächlich zusammenlebten und einander liebten. Sie hatten die Kraft, ihre eigenen Ziele, Wünsche und Besitztümer aufzugeben und so zu lieben, wie ihr Meister sie geliebt hatte. Jahschua ha Maschiach war ihr absoluter Herrscher. Die einzelnen Menschen stellten ihn in ihrem täglichen Leben an erste Stelle. Sie ließen Arbeit, Zuhause, Reichtümer und Familien zurück, um ihm total nachzufolgen. Enge Beziehungen kamen nicht automatisch zustande, sondern mussten in Liebe aufgebaut und gepflegt werden. Liebe motivierte sie und so sorgten sie mit Eifer füreinander. Sie wuchsen auf dem einzigen Fundament, der Liebe, indem sie andere bevorzugten und sich der Güte widmeten. Die Apostel zielten mit ihren Reisen, auf denen sie die Jünger erbauten, darauf ab, voll entwickelte Gemeinschaften zustandezubringen, in denen Jünger einander mit derselben Liebe begegneten, die Jahschua ausdrückte, als er auf der Erde lebte.
Tag für Tag lehrten die Apostel sie in Vergebung zu leben und ihre verkehrten Wege als Sünde zu bekennen. Jeden Tag lebten die Jünger dies aus und halfen anderen auf Kurs zu bleiben. Sie hatten eine brennende Liebe für ihren Meister Jahschua, da sie dankbar waren, dass ihre Sünden vergeben worden waren und dass sie lernen konnten, so wie er zu leben. Der Geist, den sie empfangen hatten, ließ sie einander täglich ihre Missetaten vergeben. Dadurch, dass sie ständig demütige Bekenntnisse machten, konnten sie in Einigkeit leben.
Diese neue Gemeinschaft war die spontane Antwort auf die Liebe, die Jahschua ihnen gezeigt hatte. Sie erfuhren in ihrer Seele Vergebung und fanden Gefallen daran. Sie spürten, dass Reinigung stattfand, wenn sie ihre Sünden bekannten und aufgaben, und das sowohl in ihrem eigenen Herzen als auch in ihren Brüdern und Schwestern, mit denen sie zusammenlebten. Diese ausdrucksvolle Demonstration von Liebe und Vergebung befähigte sie in Einigkeit zusammenzuleben. Die Liebe und die Fürsorge, die sie füreinander hatten, bewiesen, dass sie tatsächlich das Leben des Sohnes Gottes hatten und auf seinem Fundament bauten. Die Welt hatte nie etwas Derartiges gesehen und hat es seitdem nie wieder gesehen zu unserem großen Leidwesen.
Diese urkirchliche Gemeinschaft -und andere ihrer Art- scheiterte aber nach relativ kurzer Zeit. Was war geschehen? Warum scheiterte sie? Die Gründe waren nicht politischer, sozialer oder kultureller Art; Verfolgung war auch nicht der Grund. Diese Urgemeinschaft scheiterte, weil die Menschen aufhörten einander zu lieben. Und ihre Liebe erlosch, als sie aufhörten Vergebung zu empfangen und anderen zu vergeben.
Dabei war ja Vergebung gerade das, wofür sie ihren Meister Jahschua liebten und verehrten. Ohne Vergebung wurden sie bitter und ihre Liebe erlosch. Danach konnte sie nichts mehr zusammenhalten außer der bloßen Form.
Die Urkirche kam also nicht wegen Verfolgung durch Rom von ihrem Fundament ab, sondern weil die Jünger aufhörten ihre Sünden zu bekennen und Vergebung zu erfahren. Wenn wahre Liebe regieren soll, muss jeder seine Sünden nach Gottes Standard zugeben und bekennen. Nach dem Scheitern der Urgemeinschaft ist es nicht wieder zu solch einem dynamischen und spontanen Ausdruck von Liebe mit solch unwahrscheinlicher Vergebungskraft gekommen. Die Einigkeit, die in diesem phänomenalen neuen Leben zum Ausdruck kam, war im Begriff, die Welt auf den Kopf zu stellen, als der Verfall einsetzte. Jetzt folgten die Jünger nur noch ihrem eigenen, verkommenen Standard anstatt treu seinem Standard zu gehorchen und jedes Mal umzukehren, wenn sie darin versagten. Infolgedessen gab es Konflikte, Eifersucht, Egoismus, Habgier, Zerteilungen und Uneinigkeit in ihrer Mitte. Heute gibt es zahllose Denominationen, die angeblich alle auf den Fels gründen.
Die Antwort auf das Scheitern von Gemeinschaft ist, zum Ursprung des Lebens zurückzukehren, das die Urkirche in Jerusalem hatte, d.h. zum Fundament und Lebensmuster, das jene ersten Jünger hatten. Wir brauchen keine neuen Religionen, Methoden oder Entwürfe. Ein besseres intellektuelles Verständnis wird auch nicht helfen. Wir müssen einfach nur auf das einzige Fundament zurückkommen, das je funktioniert hat. Wenn die Menschheit wahre Gemeinschaft erfahren will, muss sie zum Leben unseres Meisters Jahschua zurückfinden und tun, was er gesagt hat. Aus diesem Leben ergibt sich unweigerlich wahre Gemeinschaft, wo Liebe tatsächlich die Antwort auf alle Lebensfragen ist.
Was die Welt sehen muss, ist eine Demonstration der Art von Liebe, die einen dazu bringt, sich selbst für den anderen aufzuopfern, und eine vollkommene Einigkeit durch die Kraft des Geistes Gottes in Menschen. Wenn Menschen, die normalerweise Meinungsverschiedenheiten, verletzte Gefühle oder Unvergebung trennen würden, in Harmonie zusammenleben können, ist das ein Beweis für Gottes Liebe. Aufgrund dieser Barrieren in der Seele der Menschen beschränkt sich Gemeinschaft nur auf vereinzelte Nester zweckmäßiger Gruppen, bei denen sich nur Vögel desselben Gefieders zusammenscharen können. Der Prophet Hesekiel hat jedoch einen Baum prophezeit, in dem Vögel jeder Art nisten werden.1
Auch aus größter eigener Anstrengung könnte man niemals solch einen Baum hervorbringen. Dazu ist buchstäblich die Kraft Gottes nötig. Deren Quelle ist die Kraft der Vergebung, die durch das Blut unseres Meisters freigesetzt worden ist. Er gibt uns die Kraft zu gehorchen nicht nur im Kopf, sondern auch in der Tat. Er hat aus seiner großen Liebe für uns sein Leben für die ganze Menschheit hingegeben. Die Welt wird Gottes Liebe erst dann nicht mehr leugnen können, wenn eine Gemeinschaft von Gläubigen ein gemeinsames Leben demonstriert, das solche Ausmaße annimmt und so intensiv ist, dass es die ganze Erde füllt. Solange ein Leben der Liebe, das in der Einigkeit vervollkommnet ist, nicht solch eine tiefgreifende Auswirkung hat, will es nicht viel heißen, wenn man eine Gemeinschaft hat, außer natürlich als alternative Möglichkeit des bloßen Überlebens.
Eigentlich sollte man kein anderes Ziel haben, als so weit wiederhergestellt zu werden, dass man so lebt und so mit seinesgleichen umgeht, wie es dem Menschen von Anfang an zugedacht war. Nur indem man dem Messias in allem den ersten Platz einräumt und durch die Umwandlungskraft seines Geistes wie er wird, kann dieses Zeugnis Wirklichkeit werden. Jedes andere Gemeinschaftsziel ist sinnlos und führt letztendlich zum Kompromiss. Bei Gemeinschaften, die bloß mit eigenen Anstrengungen ums Überleben kämpfen, wird sich nur wieder die traurige Geschichte des menschlichen Versagens wiederholen.
Wie wird diese Wiederherstellung also geschehen und was wird das 21. Jahrhundert bringen? Der Prophet Daniel sprach vor langem über die Zeit, in der wir leben. Er sagte, dass in den Tagen, in denen zehn Könige als Zusammenschluss von Herrschern und Regierenden auftauchen, der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten wird.² Es wird eine Renaissance der neuen Gesellschaft geben, die mit der Urkirche begann. Da der Gott des Himmels dies in den Tagen dieser zehn Könige bewerkstelligen wird, muss jeder, der ein Teil dieses letzten Königreiches ist, aus jeder religiösen bzw. christlichen Gemeinschaft oder Bewegung herauskommen, die ihren Anfang vor den Tagen dieser zehn Könige nahm sonst wäre er ausgeschlossen.³
Daniel sagte, dass dieses Königreich, diese neue Gesellschaft, sich auf der Erde wie ein Stein darstellen würde, der ohne menschliche Hände aus dem Berg der bestehenden Gesellschaft herausgemeißelt wird. Es wird also nicht durch Menschenhände geschaffen werden.4 Eigene Anstrengung kann nicht zum Erfolg führen. Die Lebensqualität dieses Steinkönigreichs wird so radikal anders sein ein erprobtes Leben in wahrer Einigkeit-, dass es durch den Gegensatz die Verkommenheit der bestehenden Weltordnung entblößen wird. Es wird die Erfüllung der Prophezeiung von Jesaja 49,5.6.17 sein. Dieses Leben der Liebe und der Einigkeit wird Habgier, Armut, Ungerechtigkeit und falscher Religion ein Ende setzen. Alles, was die gegenwärtige Weltordnung ins Verderben bringt, wird dann vergehen. Das Steinkönigreich wird eine Demonstration vom kommenden Zeitalter sein. Es wird der bestehenden Gesellschaftsordnung ein Ende setzen und die ganze Erde erfüllen.5
Wir glauben, dass wir in diesen Tagen leben. In einer Welt, die rapide schrumpft, ebnen globales Denken und die globale Wirtschaft diesem Herrscherzusammenschluss den Weg. Ihr Anfang lässt sich in Europa schon jetzt im Entstehen der Europäischen Union erkennen. Deshalb glauben wir, dass wir in der Zeit leben, von der Daniel gesprochen hat einer Zeit, in der die Wiederherstellung aller Dinge anfängt. Das Leben der Urgemeinschaft, die vor so langer Zeit abfiel, ist nun wieder im Entstehen. Es bringt eine wahre Gemeinschaft zum Leben eine Gemeinschaft, die im 21. Jahrhundert vollendet, was die Urkirche im ersten Jahrhundert begonnen hatte. Diese Renaissance wird ein Königreich des Friedens auf die Erde bringen, wenn unser Meister Jahschua zurückkehrt. Wenn eine Gemeinschaft dieses Ziel erreichen soll, muss sie auf seine wahre Liebe gegründet und aufgebaut sein.
1 Hes 17,23
2 Dan 2,44
3 Offb 18,4
4 Dan 2,45
5 Dan 2,44