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Berlin - Die deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) wollen die Zusammenarbeit im Kampf gegen Gewalt an Schulen verstärken. "Gewalt darf keine Schule machen. Schule und Polizei sollen deshalb mehr als bisher Partner in einer Allianz für ein friedliches Leben und Lernen in der Schule werden", heißt es in einem in Berlin vorgestellten Positionspapier. In vielen Bundesländern würden zwar Anstrengungen gegen Kinder- und Jugendgewalt an den Schulen unternommen, doch fehle es "immer noch an einer flächendeckenden und abgestimmten präventiven Bekämpfungsstrategie". Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Wolfgang Speck, forderte, die Schulen müßten jede Gewalttat zur Anzeige bringen. "Unsere Schulen dürfen sich nicht verstecken", sagte Speck.
Einer Studie des Bundeskriminalamtes (BKA) zufolge verhalten sich fünf Prozent aller Schüler regelmäßig gewalttätig - bei insgesamt rund 12,5 Millionen Schülern in Deutschland sind das etwa 625 000 Schüler. Ein Drittel wird sogar gelegentlich handgreiflich. Jeder dritter Schüler hat laut den Angaben des "Weißen Rings" Angst davor, allein den Schulweg anzutreten. Die Hamburger Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung erarbeitete bereits 1997 eine Studie zum "Dunkelfeld" von Jugendkriminalität. Damals waren 3600 Schüler der Jahrgangsstufe 9 zu ihren Gewalterfahrungen befragt worden. Das Ergebnis: Jeder vierte Hamburger Jugendliche gab an, im Jahr 1997 mindestens einmal Opfer der Gewaltdelikte Raub, Erpressung, sexuelle Gewalt und Körperverletzung geworden zu sein. Die geschätzten Dunkelziffern sind dabei überaus hoch: Bei Raub wurden 74 Prozent der Straftaten nicht polizeilich angezeigt, bei Erpressung 81 Prozent, sexueller Gewalt 98 Prozent, Körperverletzung mit Waffen 86 Prozent und Körperverletzung ohne Waffen 92 Prozent. Der Berliner Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft bezifferte die Zahl der Gewaltdelikte - von Beleidigungen bis körperliche Tätlichkeiten - pro Jahr für die Hauptstadt auf 180 000 - in der Statistik werden hingegen nur 560 angezeigt. "Wir haben es mit einer ignoranten Tendenz im Hause des Berliner Bildungssenators zu tun", so Bodo Pfalzgraf.
Laut der Hamburger Untersuchung weisen Jungen deutlich höhere Gewaltraten auf als Mädchen. Häufig sind Jugendliche mit ungünstigen sozialen Lebensbedingungen und Migrantenkinder die Verursacher von Gewalttaten. Über die Hälfte der Delikte finden aus der Gruppe heraus statt. Ausschließlich aus Migranten verschiedener Herkunft zusammengesetzte Cliquen weisen die höchsten Gewaltraten auf.
Um Straftaten präventiv zu bekämpfen und die Gewalt an Schulen einzudämmen, sprechen sich DPolG und VBE nun für "vertrauensbildende Maßnahmen" aus. Dazu zählt man die Unterstützung von schulischen Präventivkonzepten, bei denen die Polizei eingebunden werden soll. "Alle Kinder und Jugendlichen, insbesondere jene mit nichtdeutscher Herkunft, sollen erfahren, daß die Polizei zum Schutz der Bevölkerung präsent ist und in persönlichen Konfliktlagen Hilfe geben kann", heißt es in dem Eckpunktepapier. Zu den Maßnahmen zählt man auch "Anti-Gewalt- oder Schutz-Training". Die Schulen sollen künftig Ansprechpartner für die örtlichen Polizeidienststellen benennen. Die Polizeidienststellen sollen wiederum feste Dienstposten "ausschließlich für die Gewaltprävention an Schulen" einrichten. Außerdem plant man gemeinsame Seminare für Polizei und Lehrkräfte sowie Hospitationen von Referendaren bei der Polizei.
Der VBE-Vorsitzende Ludwig Eckinger mahnte, die Schulen müßten Regelverletzungen konsequent ahnden und alltägliche Gewalttaten der Polizei melden. Gewalt sei nicht nur ein Problem der Hauptschulen, das mannigfaltige Auftreten sei in allen Schulen des Landes feststellbar, so Eckinger.
Artikel erschienen am Di, 15. Februar 2005 Die WELT
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