Unser Meister Jahshua

Unser Meister hing dort am Kreuz, Sein blutender Leib bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Er röchelte und schnappte nach Luft, während brennende Schmerzen durch Sein Inneres schossen. Zittern ergriff Seinen ganzen Leib. Die Menge der Zuschauer spottete und verhöhnte Ihn und rief Ihm verächtlich zu: "Komm doch herunter, wenn du der Sohn Gottes bist!"

Viele, die behauptet hatten der Messias zu sein, waren schon unter den Händen der Römer gestorben, aber dieser Fall war anders. Es war mehr als nur die Hinrichtung eines Sektenführers. Diese Männer kreuzigten auch das mit, woran Er glaubte. "Komm doch herunter", wiederholten sie spöttisch, "und dann werden wir an dich glauben." Dabei hätten sie sowieso nie an Ihn geglaubt.1 Sie konnten die große Liebe nicht erkennen, die diesen vollkommenen Mann dazu trieb, das allergrößte und kostbarste persönliche Opfer zu bringen, das jemals gebracht werden sollte. Sie konnten nur an sich selbst und ihr verletztes Selbstgerechtigkeitsgefühl denken, als sie Ihn mit Verachtung und Hass überschütteten.

Sein Friede und Seine gesamte Haltung während dieser beschämenden Tortur versetzte eine Hand voll Zuschauer, die durch Sein großes Leiden zutiefst betrübt waren, in Erstaunen. Sie bemerkten, dass die Sanftmütigkeit, die sie ständig in Seinen Augen gesehen hatten, immer noch da war.

Selbst Seine Jünger waren geflohen, als die Angst um ihr eigenes Leben mehr und mehr zunahm. Die höhnende Menge schmähte Ihn: "Du hast andere errettet, rette dich jetzt selbst!" Sie wussten nicht, dass Er gerade in diesem Augenblick die Strafe für ihre Sünden, ihre Überheblichkeit und Arroganz empfing. Nur ein paar wenige, die an diesem Tag dabeistanden, würdigten die Ehrfurcht gebietende Selbstbeherrschung, die dieser demütige Mann besaß. Obwohl sie nicht völlig verstanden, was sich da vor ihren Augen abspielte, spürten sie doch, dass Er genau wusste, was Er tat. Dieses Wissen ließ Ihn über die Schande Seines Nacktseins und den Schmerz Seines gepeinigten Leibes hinwegsehen. Und dann war es vollbracht! Mit einem lauten Ausruf der Hingabe stieß er Seinen letzten Atemzug aus. Wie die Lämmer seit alten Zeiten, so war auch das Opfer Seines Lebens mit aller Gründlichkeit untersucht und als makellos befunden worden. Fest entschlossen alles zu geben, war es Sein letzter bewusster Gedanke Seinem Vater wohlgefällig zu sein. Er war, was ein Lamm niemals sein konnte - ein williges Opfer für unsere Sünden.2

In diesem Augenblick brach das ungeheure Gewicht der Sünde der ganzen Welt den Geist in Seinem Körper und riss Ihn mit sich hinab, tiefer und tiefer, bis ins Innerste der Erde. Aber auch als Seine Seele aus der zerbrochenen Hülle Seines Leibes herausgerissen wurde, ließen die Schmerzen, die Er erlitt, nicht nach. Das überwältigende Gefühl des Getrenntseins und der Entfremdung von Seinem himmlischen Vater wurde immer größer. In Todesqualen empfing Er die gerechte Strafe für die gesamte Selbstsucht und Schlechtigkeit der ganzen Menschheit.3 Aber Er tat noch mehr als das. Indem Er dem Tod ins Auge sah und die Furcht vor Schmerz und dem Verlust Seines Lebens überwand, entriss Er ihm für immer seine Macht.

Als er wieder aus den Tiefen der Erde heraufkam, wusste Er, dass es Menschen geben würde, denen das, was Er für sie getan hatte, alles bedeuten würde. Diese Menschen würden Ihm in allem, was Er ihnen gebieten würde, gehorsam sein. Ihnen würde Er die Schlüssel anvertrauen, die Er dem bösen Fürsten, der die gefallene Welt beherrscht, entwunden hatte -- die Schlüssel zum Tod und zum Hades.4

Er wusste, wie man das Gefängnis von Ichbezogenheit und Tod im Menschen aufschließen kann. Seine Botschaft auf der Erde war klar gewesen, äußerst klar, aber Seine Worte hatten ihre volle Auswirkung nur in denjenigen, die Ihm vollkommen vertrauten. Diejenigen, die Ihn gekannt hatten, erzählten anderen, was Er gesagt hatte, so dass auch sie aus ihrem Gefängnis befreit werden konnten. Die Liebe, die in dieser kleinen Gruppe herrschte, drängte sie dazu, alles miteinander zu teilen. Niemand betrachtete seinen Besitz als sein eigen. Keiner litt Not. Sie teilten alles, ihre Mahlzeiten, ihre Häuser, ja sogar ihr Leben.5

In all diesen Sachen verleugneten sie sich selbst. Genauso wie Er am Kreuz starb, so starben sie all den Dingen, nach denen sie zuvor strebten, um ihr eigenes Leben zu verbessern. Denn genau diese Dinge trennten sie voneinander und machten sie einsam. Nichts bereitete ihnen größere Freude, als tagtäglich genau dasselbe Leben zu erfahren, das Er gehabt hatte. Das war die Blütezeit ihrer ersten Liebe. Verlorene und hoffnungslose Menschen wurden von diesem erstaunlichen Leben des Miteinanderseins und Füreinanderseins angezogen. In den Gemeinschaften Jahschuas wurden sie aus dem dunklen, persönlichen Gefängnis einer nur auf sich selbst bezogenen Existenz befreit. Diese ersten Jünger bewiesen, dass sie die Schlüssel hatten und dass sie auch die Türen für andere öffnen konnten.6 Ihre Liebe und Einigkeit bewiesen, dass Gott in ihrer Mitte war.

Als aber die Kirche zu wachsen begann, breitete sich leider auch Streit, Sittenlosigkeit und Habsucht mehr und mehr aus. Zuletzt war sie hoffnungslos zerteilt und zwar genau durch die Dinge, die Jahschua durch Seinen Tod beseitigt hatte.7 Die selben bösen Geister, die Jahschua versuchten, kamen auch um Sein Volk zu versuchen. Da zeigte sich, dass sie nicht vollkommen vertrauten, so wie Er Seinem Vater vertraut hatte. Sie waren sich nicht dessen bewusst, dass ihre erste Liebe verloren ging. Sie bemerkten nicht einmal, dass sie die Schlüssel verloren hatten.

Aber die Geschichte hört hier nicht auf... Es gibt eine frohe Botschaft! Heute, in dieser Zeit, sind die Schlüssel wieder auf der Erde, weil es ein Volk gibt, welches wieder Seinem Wort gehorsam ist. Alle diejenigen, die diese Schlüssel empfangen haben, glauben wirklich, dass Er in der Lage ist ihr Innerstes zu erreichen, genau den Ort, wo jeder sich einsam und verloren fühlt und leidet.

Wie tragisch wäre es, wenn wir uns so verhalten würden wie diejenigen, die Ihn verspotteten und auslachten und sagten: "Komm doch herunter!" und nicht erkennen würden, dass Er schon heruntergekommen ist. Der König der Könige kam, um Sein Königreich auf die Erde zu bringen und im Leben der Menschen zu herrschen -- wenn sie Ihm das erlauben würden.

Endnoten:

1 Matthäus 27,40-42
2 Lukas 23,46
3 2. Korinther 5,21
4 Offenbarung 1,17-18
5 Apostelgeschichte 2,42-47; 4:32-37; 6:1-7; 1. Thessalonicher 2:14
6 Matthäus 16,19
7 1. Korinther 1,10-13; 3,1-3; 6,4-11; 11,18-21; 2. Korinther 6,14-7,1;
11,2-4; 13-15; Galater 1,6-8; 5,15-21; Epheser 6,24; 1. Timotheus 6,3-10; 2.
Timotheus 2,26-3,7; Jakobus 2


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