Wider den Sauerteig

»Nehmt euch in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer -
ich meine: Lasst euch nicht von ihrer Scheinheiligkeit anstecken!«
(Lk 12,1)

Das Salz, das heute in den Supermärkten angeboten wird, hat mit dem ursprünglichen Salz nicht mehr viel gemeinsam. Es wurde - wie viele andere Nahrungsmittel - verändert. Die Weiterverarbeitung in einer Fabrik ermöglicht es, dass es heute strahlend weiß, trocken und rieselfähig ist. Im Gegensatz zum Meersalz, dessen Körner in ihrer Größe variieren, werden die Salzkörner des „modernen" Salzes so verarbeitet, dass sie genau durch die Löcher eines Salzstreuers passen. Ein Produkt der modernen Konsumgesellschaft - es sieht gut aus, ist praktisch und bequem.
Da Meersalz viele verschiedene Mineralien enthält, ist es sehr gesund. Die graubraune Farbe ist natürlich. Sie entsteht durch die Mineralstoffe und den Tongehalt. So sah Salz vor vielen hundert Jahren aus, als es noch etwas Wertvolles war. Händler brachten es von weit her und die Menschen wussten seinen Wert zu schätzen. Heutzutage kann man Salz überall billig einkaufen und man macht sich nicht viel Gedanken darüber.
Was hat Salz nun mit dem Evangelium oder der Kirche zu tun? Der Sohn Gottes sagte, dass Salz gut sei (Mk 9,50). Er selbst hatte kostbares ‚Salz'. Wo Er nur hinging, redete Er über die gute Nachricht vom Reich Gottes, einer neuen Gesellschaftsordnung. Seine Worte hatten die Kraft, Menschen aus ihrem alten, egoistischen Leben und der alten Gesellschaft herauszuholen und in einen neuen Bund zu bringen, einen Bund mit ihrem Schöpfer und miteinander. Durch Seine Worte entstand das reichhaltige Leben der Urgemeinde, wie es in der Apostelgeschichte 2,42-47 und 4,32-35 beschrieben ist. Dieses Leben entstand, weil Seine Jünger treu waren, alles zu lehren, was Er ihnen geboten hatte (Mt 28,20). Deswegen hatte Er zu ihnen auch gesagt: „Ihr seid das Salz der Erde."
Salz konserviert und reinigt. So wie Salz Nahrungsmittel konserviert, wollte Er, dass durch die Jünger die vollständige Gute Nachricht konserviert (d.h. unverändert, unverfälscht) bliebe. Und nur durch die reinigende und letztlich heilende Wirkung des Salzes war es möglich, dass Menschen in Frieden und Einigkeit miteinander leben konnten (Mk 9,50).
Nur dieses Evangelium, diese Gute Nachricht, konnte das Licht der Welt hervorbringen, das Jahschua, der Sohn Gottes, scheinen sehen wollte. Das Licht, das Leben, das Zeugnis, das Er unbedingt brauchte, um allen Menschen Seine Liebe sichtbar zu machen (Joh 3,16). Er wusste, dass diese absolute Einigkeit unter den Jüngern nötig war, um zu beweisen, dass Er vom Vater gesandt war (Joh 17,23). Diese Einigkeit war nicht mystisch. Sie war so real, dass die Gläubigen in allen Gemeinden nur zusammen beten sollten, wenn sie keinen Zorn oder Meinungsverschiedenheiten hatten! (1. Tim 2,8)
Einigkeit war der lebendige Ausdruck der Liebe, die der Geist in die Herzen der Jünger ausgegossen hatte (Röm 5,5). An dieser Liebe sollte die Welt erkennen, dass sie Seine Jünger sind (Joh 13,34-35).
Die Kirche schickte sich an, ein gewaltiges Zeugnis zu werden. Überall entstanden Gemeinden nach dem Muster der Kirche in Jerusalem. Einigkeit war ihr herausragendes Merkmal.
Aber dann passierte etwas. Die Einigkeit unter den Jüngern schien in Gefahr. Streitgespräche wurden immer öfter gehört. Paulus warnte die Korinther und Philipper ihre Einigkeit zu wahren (1. Kor 1,10; Phil 2,2-3). Er sprach vom Sauerteig (1. Kor 5,6), der den Leib durchsäuert. Sauerteig treibt den Teig auseinander, bildet Lufttaschen, bläht auf. Sauerteig trennt die einzelnen Teile des Teiges voneinander. Aber - Salz in ausreichender Menge hätte das verhindert.
War das Salz etwa kraftlos geworden? War das Evangelium nicht mehr in der Lage zu vereinen?
Was war geschehen? War es „reingewaschen" worden?

2. Korinther 11,13 gibt uns Aufschluss darüber: Falsche Apostel waren in die Kirche eingedrungen, offensichtlich unerkannt (Judas 4). Diese gaben sich zwar den Anschein von Frömmigkeit, verleugneten aber ihre Kraft (2. Tim 3,5). Die Abkehr von der Wahrheit wurde schnell offenbar: 2. Tim 4,3-4.
Der Sauerteig hatte schnell den ganzen Leib durchsäuert. Immer mehr Zerteilungen waren die Folge. Das Licht, das einst hell aufflackerte, verlosch allmählich. Erst war äußerlich nichts zu erkennen. Man machte so weiter, als ob alles in Ordnung wäre und gab sich mit Kompromissen zufrieden. Man versuchte die Unstimmigkeiten zu überspielen. Aber der geistige Sauerteig konnte nicht mehr aufgehalten werden. Obwohl vielfach die äußere Form in Ritualen und Traditionen noch über Jahrhunderte hinweg fortgeführt wurde, war die geistige Realität der Liebe und Einigkeit unter den Gläubigen verschwunden. Anstelle von aufrichtiger Gemeinschaft unter den Gläubigen und brüderlichen Teilens innerhalb der ersten Gemeinschaften trat eine organisierte Religion. Aufrichtigkeit und Frömmigkeit wurden oft nur noch vorgetäuscht (die sog. Scheinheiligkeit).
Die Jünger waren nicht mehr „ein Herz und eine Seele" wie zu Anfang (Apg 4,32). Die Kirche fing an sich immer mehr zu zersplittern und hat sich bis zum heutigen Tag in unzählige Konfessionen aufgespaltet.
Was war mit dem „Salz der Erde" passiert? Was war mit der Einigkeit unter den Jüngern geschehen, für die der Sohn Gottes vor Seinem Tod so aufrichtig gebetet hatte? Wollte der Vater Seinem Sohn diesen Wunsch verwehren?
Nein! Natürlich nicht! Denn ohne dieses Licht kann Seine Errettung nicht bis an das Ende der Erde gelangen (Jes 49,6). Diese vollkommene Einigkeit unter den Gläubigen ist das hell leuchtende Licht für die ungläubige Welt. Diese Einigkeit ist nicht mystisch, sondern real sichtbar. Sie kommt dadurch zum Ausdruck, dass die Gläubigen wieder ein Herz und eine Seele sind und sich täglich einmütig versammeln (Apg, Kapitel 2 und 4). Diese Einigkeit ist lieblich. Schon König David wusste, dass dort der Segen des ewigen Lebens ist (Psalm 133).
Genauso wie das ursprüngliche Meersalz kraftvolle, heilende und positive Wirkung besitzt, hat das ursprüngliche Evangelium die Kraft, die Gläubigen in wahrer Einigkeit und Liebe füreinander zusammenzubringen. Aber nur dort, wo Jünger das Salz dieses Evangeliums in sich haben, kann dem Sauerteig der Spaltungen, des Unfriedens und der Heuchelei entgegengewirkt werden.
Aus Dankbarkeit geben dort die Menschen, die diese frohe Bortschaft gehört haben und diesen wahren Glauben empfangen haben, täglich ihr Leben füreinander hin. Sie sind in Einigkeit, ganz so wie es war, bevor das Salz verändert wurde.
Wir sind dankbar, dass wir eines Tages die Gute Nachricht hören und Teil Seines Volkes werden konnten. Wir haben die Tür zu Seinem Schafstall gefunden. Die Tür heißt Jahschua und das wahre, unverfälschte Evangelium ist der Weg zu Ihm und zu Seinem Volk.

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