Außerhalb des Lagers
oder
„Von hier wirst du nie dahin kommen“
Die ersten Jünger in Jerusalem wurden von ihren Nachbarn respektiert, aber sie waren dennoch gesellschaftlich ausgegrenzt. In der Apostelgeschichte heißt es dazu:
„... sie waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomons [einem öffentlich genutzten Platz im jüdischen Tempel]. Aber von den Übrigen wagte es keiner, sich ihnen anzuschließen, doch das Volk rühmte sie.“1 Der Normalbürger in Israel konnte nicht einfach mit dieser Gruppe verkehren, egal wie anständig oder wie freundlich sich die Jünger verhielten. Immerhin war ihr Führer, der angeblich der Messias gewesen war, von den Priestern, Pharisäern und Gesetzeslehrern als ein Lästerer -einer der Gott fluchte- verurteilt worden. Er war den staatlichen Behörden übergeben worden mit der Forderung, dass dieser hingerichtet werde. Die Römer brachten ihn aus der Stadt hinaus und kreuzigten ihn zusammen mit gewöhnlichen Räubern. Danach wurden noch weitere Führer der Gruppe verhaftet. Niemand wusste, was ihnen als nächstes widerfahren würde, und mit dieser Gruppe assoziiert zu werden, war nicht nur skandalös, sondern könnte sogar plötzlich gefährlich werden.
Die Jünger ihrerseits hatten eine solche Behandlung erwartet. Der Meister selbst hatte es ihnen gesagt:
„Wenn die Welt euch hasst, wisst, dass sie mich zuerst gehasst hat.“2
und „Wenn sie den Hausherrn Beelzebul [Fürst der Dämonen] genannt haben, wie viel mehr seine Hausgenossen?“3
Heb 13,11-14 erinnerte sie daran, dass die Kreuzigung ihres Meisters dem glich, wie die Kadaver der Schlachtopfer entfernt wurden:
„Denn die Leiber der Tiere, deren Blut für die Sünde in das Heiligtum hineingetragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, um das Volk durch sein eigenes Blut zu heiligen, außerhalb der Tore gelitten. Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Jünger sollen also „außerhalb des Lagers“ sein, weil dort auch ihr Meister war. Aber was ist „das Lager“? Nach der Lehre ihres Meisters war es eine Religion voll Heuchelei, angesehenen Spenden für wohltätige Zwecke, langen, öffentlich gesprochenen Gebeten und prunkvollen, religiösen Zeremonien.4 Die Leute im Lager ehrten Gott mit ihren Lippen, aber ihre Herzen waren Ihm fern5. Ihre Religion basierte eher auf den Traditionen der Menschen als auf Gottes Geboten.6 Sie hielten sich genau an ihre Rituale, vergaßen aber darüber ihre Mitmenschen.7 Nach außen hin sah alles gut aus, aber in ihrem Inneren -dort wo nur Gott hinsehen konnte- waren sie voller Unenthaltsamkeit, Falschheit und Ungerechtigkeit. Der Meister selbst porträtierte das Lager so: “Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten und schmückt die Grabmale der Gerechten und sagt: ’Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so hätten wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht.’ So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben und ihr macht das Maß eurer Väter voll.“ (Matt 23,29-32)
Die totale Heuchelei sah also so aus, dass sie einerseits ihr religiöses Erbe historisch nachweisen konnten, aber so taten, als hätten sie die Sünden ihrer Vorväter nicht geerbt. Aufmerksamen Bibellesern sollte auffallen, dass das nicht funktioniert, denn Gott „sucht die Schuld der Väter heim an den Kindern der dritten und vierten Generation von denen, die mich hassen“.8 Und wie jeder weiß, waren später die religiösen Leute, die Er angesprochen hatte, diejenigen, die sowohl Ihn Selbst als auch viele Seiner Nachfolger töteten und damit die Wahrheit Seines Urteils über sie bestätigten.
Aber was sein tatsächliches Anliegen am meisten bewies, war das Leben Seiner Jünger „außerhalb des Lagers“. Sie wurden nicht nur um Seines Namens willen beschimpft, verfolgt und getötet, sondern sie hatten auch ein radikal anderes Leben als die „innerhalb des Lagers“. Sie gehorchten tatsächlich den Lehren ihres Meisters und handelten nicht wie Heuchler. Sie taten ihre guten Werke und beteten ihre Gebete im Stillen. Sie wandten sich Gott in ihrem Herzen zu und lebten um Ihm zu gefallen und nicht den Menschen. Liebe und Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue waren ihnen wichtiger als den Zehnten und Opfer zu geben und Traditionen und Zeremonien zu halten. Sie waren um ihren Charakter besorgt, und nicht so sehr um ihren Ruf; ihr Ruf würde sich dann schon ergeben. Aber am allerwichtigsten war, dass sie einander so liebten, wie Er sie geliebt hatte, ohne etwas zurückzuhalten, ohne an ihrem Besitz, ihrer Meinung oder ihren eigenen Plänen festzuhalten. Sie gaben alles, um die Nöte anderer zu decken. Der Geist der Liebe (welches der Geist Gottes ist) regierte. Ihr Leben war dem Aufbau Seines Königreiches gewidmet. Das Resultat war erstaunlich. Leute nannten sie: „Diese, die den ganzen Erdkreis aufgewiegelt haben...“9 und „...die Sekte, der überall widersprochen wird“.10 Ja, überall wurde gegen sie gesprochen, wurde doch ihr Hausherr auch als „Fürst der Dämonen“ bezeichnet. Und wer trat ihnen vor allem entgegen? Natürlich die „innerhalb des Lagers“, deren falsches religiöses Spiel als eine leere Hülle entlarvt wurde. Die Jünger wurden von den religiösen Scheinheiligen in allen Städten verfolgt, verleumdet, geschlagen und getötet. Aber wo auch immer sie hinkamen, wurden Menschen errettet und zu Jüngern bekehrt, die lernten so zu lieben, wie auch ihr Meister sie geliebt hatte. Dann aber veränderte sich etwas. Dies ist ein schwieriger Punkt in der Geschichte. Im NT wird dieser Wendepunkt an vielen Stellen beschrieben, vor allem im Jakobusbrief und in den ersten drei Kapiteln der Offenbarung des Johannes. Immer wieder fanden sich unter den Jüngern unaufrichtige Menschen. Selbst der Meister hatte Judas auserwählt, der sich entschloss ein Verräter zu werden. Hananias und Saphirah waren Heuchler, die vorgaben alles aufgegeben zu haben, während sie einen Teil für sich selbst zurückbehalten wollten.
Sogar einige von Paulus’ Mitarbeitern verließen ihn, als sie durch schwere Zeiten gingen. Aber früher oder später enthüllte immer das Licht des Lebens „außerhalb des Lagers“ die Unaufrichtigen.
Wenn wir uns den Jakobusbrief oder die Offenbarung anschauen, bekommen wir den Eindruck, dass nur wenige Treue von vielen Untreuen umgeben waren, Kompromisse hatten sich eingeschlichen und ihre Liebe war verlorengegangen. Sie sorgten sich nicht mehr um die Witwen und Waisen und hatten sich mit der Welt beschmutzt. An manchen Orten hörten alle Gläubigen auf, einander zu lieben und wurden bequem und selbstgefällig und bemerkten dabei ihren geistigen Bankrott überhaupt nicht. Dies äußerte sich darin, dass reiche Gäste bevorzugt wurden, ja, es gab sogar reiche und arme „Jünger“.11
Manche werden dies lesen und sagen: „Na und? Das hat es doch in der ganzen Geschichte des Chrisentums gegeben, dass es Arme und Reiche in der Kirche gab und die Reichen und Mächtigen die besten Plätze einnahmen.“ Das schlimme daran war, dass genau dieser Lebensstil wieder „innerhalb des Lagers“ der neu entstandenen Kirche entstand. Die reichen religiösen Leute sprachen lange, öffentliche Gebete, um zu zeigen, wie sehr sie Gott liebten. Unterdessen vergriffen sie sich an den „Häusern der Witwen“, die in Gottes Ebenbild erschaffen waren. Und das, obwohl der Sohn Gottes sie deutlich vor dem Urteil gewarnt hatte, welches solche Heuchler erwarten würde. Die aber den Ruf gehört hatten, gingen aus dem Lager hinaus dorthin, wo es weder Arme noch Reiche gab.12
Zur Zeit, als der Jakobusbrief geschrieben wurde, war das Leben „außerhalb des Lagers“ bereits verschwunden und durch das „Lager“ ersetzt worden es wurde nur umbenannt. Es war jetzt das „christliche Lager“ anstelle des „jüdischen Lagers“. Die „neue Religion“ bestand aus immer mehr menschengemachten Lehren und Traditionen. Diese unterschieden sich zwar von denen der „alten Religion“, doch sie hatten nichts mehr mit den „Geboten Gottes“ zu tun.13 Was darauf folgte, waren beinahe 2000 Jahre „Lagerleben“.
Wir werden hier darauf verzichten uns durch 20 Jahrhunderte Kirchengeschichte hindurchzuquälen. Aber schon Menschen, die berühmte historische Persönlichkeiten des Christentums nur flüchtig kennen, protestieren oft: „Was? 2000 Jahre Lagerleben sind nichts als leere Religion? Was ist mit dem großen Theologen Augustinus oder den großen Reformatoren wie Luther und Calvin oder den radikalen Gruppen der Wiedertäufer des 16. Jahrhunderts? Und was ist um Himmels Willen mit Billy Graham und Mutter Teresa oder der Jesus-Bewegung?“
Ja, was ist mit ihnen? Haben sie das Leben „außerhalb des Lagers“ zurückgebracht? Augustinus z. B. schrieb überzeugende Erörterungen über Gottes Charakter, die Sünde usw.. Seine Schriften erzeugten jedoch keine Jünger, die eine innige Liebe füreinander hatten.
Im Gegenteil: Er porträtierte einen unbegreifbaren Gott, der aufgrund seiner kosmischen Launen manche für ewiges Leben und andere zu ewiger Verdammnis bestimmte, egal ob sie gute oder schlechte Menschen waren.*
Augustinus beschäftigte sich nicht damit Menschen genauso zu lieben, wie der Meister sie lieben würde. Er beschäftigte sich damit „Ketzer“ zu entlarven und entwickelte theologische Argumente, welche die Anwendung von Gewalt rechtfertigten, um die religiösen Ansichten anderer zu „verändern“.
Luther und Calvin waren beide Augustinermönche gewesen, bevor sie Reformatoren wurden. Sie brachten auch die schreckliche augustinische Doktrin von der „gerechten Verfolgung“ Andersgläubiger mit in ihre Kirchen ein. Calvin war die treibende Kraft hinter der Verbrennung Michael Servetus auf dem Scheiterhaufen (1533 in Genf ), weil dieser die „Sünde“ begangen hatte, die Lehre von der Dreieinigkeit anzuzweifeln und weil er die Kindertaufe ablehnte. Luther schrieb mehrere Veröffentlichungen, in denen er vehement den Tod der Wiedertäufer und die Verfolgung der Juden forderte. Diesen Männern waren moralische Grundsätze und die Stabilität ihrer Gesellschaft, in der sie lebten, wichtiger als die Lehre des Sohnes Gottes (z.B. das Hinhalten der anderen Wange, die zweite Meile gehen oder die Feindesliebe etc.)
Jetzt wird vielleicht jemand einwenden: „Diese Männer waren bloß Kinder ihrer Zeit. Beurteile sie lieber nicht zu schnell, denn religiöse Verfolgung war zu jener Zeit üblich. Die Katholiken zuvor haben schon Jahrhunderte lang Menschen verfolgt.“ Aber das ist ja der springende Punkt! Luther und Calvin waren bloß Kinder ihrer Zeit und sonst nichts. Im Gegensatz dazu war Saulus 1500 Jahre vorher ein eifriger Verfolger der damaligen Jünger. Nachdem er bereut und den Heiligen Geist empfangen hatte, verfolgte er niemanden mehr, sondern widmete sein Leben der Aufgabe Menschen zu lieben. Er war mehr als nur ein Kind seiner Zeit. Er ging „aus dem Lager heraus“, begann ein radikal neues Leben und verbrachte den Rest seiner Tage damit, dieses Leben überall, wo er hinkam, zu verbreiten. Luther und Calvin re-formierten nur die römisch-katholische Kirche und etablierten eine andere Form desselben „Lagerlebens“, in dem sie aufgewachsen waren.
Zeitgleich mit den Ketzer-jagenden Kirchen existierte eine ganz andere Bewegung: die Wiedertäufer. Diese Bewegung entstand unter enttäuschten, vor allem jungen Menschen, die mit den leeren Ritualen der etablierten Kirchen unzufrieden waren. Diese Dissidenten waren eifrige Vertreter der Gewissensfreiheit und verlangten die Freiheit, die Form ihres Gottesdienstes selbst bestimmen zu wollen. Sie waren eine unorganisierte, spontane Bewegung, deren überzeugte Ablehnung der Kindertaufe schnell Verfolgungen von allen Seiten nach sich zog. Doch sie waren entschlossen die Gebote Jesu zu halten, wie sie in der Bibel stehen. Sie wurden von ihren protestantischen und katholischen Feinden zu Tausenden gefoltert und getötet. Weil die christlichen Machthaber die Wiedertäufer abschlachteten, lehnten viele ihrer Nachbarn den Protestantismus und Katholizismus ab und schlossen sich ersteren an. Das Feuer und der Eifer dieser Bewegung blühte auch angesichts der Verfolgung (oder vielleicht gerade deswegen) zwischen 1525 und 1560. Sie mussten sich an geheimen Orten treffen und immer wieder fliehen. Sie sorgten füreinander, teilten alles miteinander und weigerten sich selbst unter unmenschlicher Folter, einander zu verraten. Eine Zeit lang schien das selbstlose Leben der ersten Jünger wiederhergestellt zu sein. Wenigstens waren sie „außerhalb des Lagers“ und trugen ganz sicher die Schande dafür.
Aber nicht einmal 35 Jahre nach dem Anfang der Bewegung zeigten sich die ersten Zerfallerscheinungen. Ein Führer hatte eine Meinungsverschiedenheit mit einem anderen und anstatt ihre Differenzen aus dem Weg zu räumen, trennten sie sich. Ihre Nachfolger spalteten sich ebenfalls und keine Gruppe wollte mit der anderen etwas zu tun haben. Es dauerte nicht lange, dann spalteten sich diese Teilstücke auch wieder und alles, was am Ende von den Wiedertäufern übrig blieb, waren kleine Splittergruppen mit seltsamen Namen und strengen Sitten wie die zahllosen mennonitischen, amischen und Hutterergruppierungen.
Man könnte natürlich viel über die weltberühmten christlichen Idole Billy Graham und Mutter Teresa sagen.
Dr. Graham hat fast ein halbes Jahrhundert lang eine Botschaft verkündet, die von den meisten christlichen Konfessionen akzeptiert werden konnte. Er hat vielleicht mehr dazu beigetragen, Christen auf eine gemeinsame Basis zu bringen, als jeder andere seitdem Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert von den streitenden Bischöfen verlangt hatte, ökumenische Konzile abzuhalten und allgemein gültige Maßstäbe für den Glauben festzulegen. Und Mutter Teresa,
Friedensnobelpreisträgerin für ihre, hat viel dazu beigetragen, dass die Katholische Kirche von den Evangelischen mehr akzeptiert wurde und ihr nicht mehr wie zuvor immer mit Misstrauen begegnete. Diese zwei christlichen Berühmtheiten haben einen weit verbreiteten Ruf der Gerechtigkeit.
Doch haben sie Gottes Gebot befolgt, das sie dazu auffordert, ihre guten Taten im Stillen zu tun und ihre Frömmigkeit nicht vor anderen zu üben, um dabei gesehen zu werden?14 Sind sie „außerhalb des Lagers und tragen die Schande, die ihr Meister getragen hat?“ Sprechen alle gut über sie?15
Die Jesus-Bewegung der siebziger Jahre ähnelte der Wiedertäuferbewegung darin, dass sie ebenfalls unorganisiert und spontan war und meist aus jungen Leuten bestand, die von den Großkirchen enttäuscht waren. Sie wollten ebenfalls das tun, was Jesus in der Bibel gesagt hatte. Viele zogen zusammen und teilten ihren Besitz. Aber hier hörte ihre Ähnlichkeit mit den Wiedertäufern auch schon auf. Sie versuchten ihre Gottesdienste und ihren Lebensstil anders zu gestalten. Doch sie trennten sich nicht von der breiten Masse und wurden auch nicht verfolgt. Innerhalb weniger Jahre hatten sich die meisten christlichen Kommunen aufgelöst, sie hatten das Christsein entweder verworfen oder hatten sich irgendeiner Gemeinde angeschlossen und hörten wieder schweigend einem Prediger oder Lehrer zu. Sie hatten auch „das Lager“ nicht verlassen. und hatten nicht die Schande des Meisters getragen.
Natürlich ist das nicht die vollständige Geschichte des Christentums. Es gab viele christliche Bewegungen und Erweckungen in den letzten 2000 Jahren, die sich vom Status Quo loslösten. Aber alle hatten eines gemeinsam: Sie haben das selbstlose Leben der Liebe und Einigkeit, das den ersten Jüngern gegeben war, nicht wiederhergestellt. Man fühlt sich fast an die Geschichte eines Reisenden erinnert, der sich hoffnungslos verfahren hat und letztlich einen abgelegenen Bauernhof ansteuert, um die richtige Richtung zu erfragen. Der alte Bauer hörte sich die Geschichte des Hilfesuchenden an, bis dieser endlich damit herausrückt, wo er eigentlich hin will. Der Bauer reibt sich gedankenvoll das Kinn und erwidert: „Von hier aus kommt man da nicht hin.“ Viele Menschen sind schon zu dem Schluss gekommen, dass es unmöglich ist, an jenen Ort „außerhalb des Lagers“ zu gelangen, an dem die ersten Jünger die Schande ihres gekreuzigten Meisters trugen, dem sie mit Herz und Seele, und Hab und Gut gehörten. „Das war damals“, sagen sie, „die Welt von heute ist anders.“16
Aber das ist auch nicht das Ende der Geschichte. 2. Chronik 16,9 sagt:
„Denn die Augen des Herrn durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist.“
Wir, die diese Zeitschrift geschrieben haben, glauben, dass Gott die ganze Zeit Menschen auf der Erde aufgerüttelt hat, um die zu finden, die sich Ihm vollkommen anvertrauen und bereit sind, nichts als Seinen Willen zu tun. Wir glauben, dass dieses „Aufrütteln“ dazu dient, herauszufinden, was wirklich in den Menschen steckt. Er rüttelt immer noch, sucht immer noch nach Menschen, will immer noch stärken, weil Sein Wille noch nicht erfüllt ist. Satans Gewaltherrschaft über die Menschen ist noch nicht zu Ende. Krieg, Terror, Kriminalität, Armut, Unzucht, Heuchelei, Habsucht, zerrüttete Familien usw. weisen alle auf seine Macht auf der Erde hin.
Auch die größten Anstrengungen der besten Menschen in den besten Positionen, die das meiste Gute auf der Erde tun, können den Verfall und die Degeneration der Menschheit nur verlangsamen, aber nicht aufhalten. Nur die triumphale Rückkehr des Messias wird das Ende bringen. Und das Ende wird erst dann kommen, wenn die Gute Nachricht, die Er gepredigt hat (nicht irgendeine verwässerte Version) überall verkündet worden ist. Und Er wird nur kommen, wenn diese Botschaft dasselbe Zeugnis vom kommenden Königreich hervorbringt, das man vor 2000 Jahren in Jerusalem unter den ersten Jüngern beobachten konnte ein Leben in Liebe und Einigkeit.17
Wir haben das Aufrütteln gespürt, wir haben den Ruf gehört, wir haben schon ein paar Prüfungen erlebt und wir wissen, dass das erst der Anfang ist. Wir laden aber alle Menschen von überallher ein, sich mit uns zusammen dem Leben der Liebe hinzugeben, für das unser Meister Sein Blut vergossen hat, damit es hier auf der Erde zustande kommt, „außerhalb des Lagers“.
Fußnoten:
1 Apg. 5,12-13
2 Joh. 15,18
3 Mt. 10,25
4 Mt. 6,2-6;16-18
5 Mt. 15,7-9
6 Mt. 7,6-9
7 Mt. 23,14.23
8 Ex. 20,5;Dt.5,9
9 Apg.17,6
10 Apg. 28,22
11 Off. 2,4-53,1-4,14-19;Jak. 1,26-2,9;4,1-4;5,1-6
12 Apg. 4,34-35
13 Mt. 15,7-9;Mk. 6,7-9
14 Mt. 6,1
15 Lk. 6,26
16 Ist sie wirklich so anders? Die ökumenische Bewegung ist heutzutage eine mächtige Kraft auf der Erde. Obwohl sich christliche Gruppen weiterhin spalten, werden gleichzeitig zersplitterte Konfessionen zusammengeführt. Dies bedeutet keine Rückkehr zu der vollkommenen Einigkeit, für die der Sohn Gottes im Johannes 17, 22-23 gebetet hat - dass die Jünger eins seien, so wie Er und Sein Vater eins sind. Dieses Zusammenkommen verschiedener Konfessionen ähnelt eher der Zusammenarbeit zwischen den sich streitenden Bischöfen, die Kaiser Konstantin im vierten Jahrhundert sicherstellte. Gänzlich verschiedene Gruppierungen werden ermutigt, über ihre Meinungsver-schiedenheiten hinwegzusehen und zusammen als eine positive Kraft in dieser Gesellschaft zu wirken. Das Ziel ist, alle unter einen riesigen religiösen Hut zu bekommen. Anders ausgedrückt: Ein großes Lager wird eingerichtet, in dem alle kleineren Lager zusammen campieren können das Judentum eingeschlossen. Dies ist ein klares Bild dafür, dass es im Grunde keinen Unterschied zwischen der Christenheit und dem Lager gibt, das den Meister außerhalb des Lagers gekreuzigt hat.
17 Mt. 24,14; Apg. 2,42-45;4,32-35
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