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Das galt doch nur für ihn, oder?

Diesen Satz hast du bestimmt schon einmal gehört. Ich jedenfalls schon. So interpretieren die meisten Christen diese unbequeme Passage im Neuen Testament.

„Eines fehlt dir! Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach. ” (Markus 10,21)

Damit hat Er doch nur den reichen Jüngling gemeint, oder? Das galt doch nur für ihn und nicht für uns; nur für diese Leute, die ein „Problem“ mit ihrem Besitz haben. Geht das nicht aus dem Zusammenhang der Worte Jahschuas hervor? Offensichtlich hatte der reiche Jüngling ein „Problem“ mit seinem Reichtum. Sonst wäre er ja nicht traurig weggegangen.
Aber wer hat schon Besitztümer und vertraut nicht darauf? Als in den dreißigern Jahren des letzten Jahrhunderts die große Weltwirtschaftskrise um sich griff und der Aktienmarkt zusammenbrach, stürzten sich einige Leute aus dem Fenster und begingen Selbstmord. Als ihr Reichtum weg war, hatten sie keinen Halt mehr im Leben. Offensichtlich vertrauten sie auf ihren Besitz, und als dieser nicht mehr existierte, hatten sie nichts mehr, an das sie glaubten.
Wenn man die Geschichte aufmerksam liest, sieht man, dass der reiche Jüngling eigentlich sehr viel Vertrauen in Jahschua hatte. Er kannte ihn und Seine Botschaft wahrscheinlich besser als wir denken. Er kam zu Ihm, weil er wusste, dass Er in der Lage war, ihm das zu geben, was ihm fehlte – nämlich ewiges Leben. Er wusste sogar, dass er etwas tun musste, um ewiges Leben zu bekommen. Aber die Antwort auf seine Frage, „Guter Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ hatte er nicht erwartet.
Es war etwas, das einem sehr schwer fallen wird, wenn man sein eigenes Leben in dieser Welt liebt, aber leicht, wenn man sein Leben in dieser Welt hasst.1
Gib Ihm eine Million Schekel... geh auf Knien 1000 Mal die Tempeltreppe hinauf... bau ein Waisenhaus... geh in die Wüste zum Berg Sinai und höre Gottes Stimme... Er hätte alles Mögliche getan, um ewiges Leben zu bekommen.Er hätte auch gerne einfach „nur geglaubt“. Aber alles aufgeben und ihm nachfolgen? Das war ihm zu viel! Der gute Meister und er hatten unterschiedliche Vorstellungen über das „eine, das ihm fehlte“.
Der reiche Jüngling sah, was es ihn kosten würde, von der Schuld seines Gewissens befreit zu werden. Aber er wurde traurig, weil ihm sein Besitz mehr wert war als ewiges Leben. Durch seinen Reichtum und seine egoistische Lebensweise hatte er seinen Mitmenschen, dem Namen Gottes und sich selbst geschadet. Aber er wollte den Wohlstand nicht aufgeben, den er hätte loslassen müssen, um dieses Unrecht wieder gutzumachen. Stattdessen fand er seine Sicherheit im Wohlstand.
Der Preis für diesen „Schatz im Himmel“ war ihm zu hoch – er hätte Gott ehren und Seinem Wort gehorchen müssen. Er hätte demütig anerkennen müssen, dass der gute Meister den Ausweg aus seinem schuldigen Zustand kannte. Außerdem hätte er dann alles tun müssen, was in seiner Macht stand, um den Wunsch Seines Vaters zu erfüllen, dass „es keine Armen im Land gibt.“2 Das hätte bedeutet, alles wieder gut zu machen, was er als Reicher verschuldet hatte.
Es gab einen anderen reichen Mann, einen Zöllner, der dies auch verstand. Als er Gottes Barmherzigkeit in der Person Jahschua gegenüberstand, zeigte ihm sein Gewissen als erstes genau das: Zachäus gab die Hälfte seines Reichtums als Almosen und zahlte denen, die er betrogen hatte, alles vierfach zurück.3 Genauso wie der reiche Jüngling verstand er, dass er etwas tun musste, um würdig zu sein, den Sohn Gottes zu empfangen.4 Ich weiß, dass dies gegen das traditonelle christliche Verständnis geht. Aber es kommt darauf an, wo Dein Herz steht: „Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“5
Es kommt einem so vor, als hätte der reiche Jüngling es lieber anders herum gehabt: „Wo euer Herz ist, da wird auch euer Schatz sein,“ aber leider hat es der Erlöser nicht so gesagt. Betrübt und traurig zog der Jüngling stattdessen von dannen, nachdem er vor die Wahl gestellt worden war. Seit dieser Zeit waren nur wenige so sensibel in ihrem Gewissen wie er, denn die meisten wenden sich nur schulterzuckend ab und sagen: „Das sind aber harte Worte.“
Jahschua war Sich dessen bewusst, wie einfach es gewesen wäre, auf die besonderen Lebensumstände dieses „reichen Mannes“ einzugehen und außer Acht zu lassen, dass für alle, die an Ihn glauben, das Gleiche gilt. Das „große Erstaunen“ Seiner Jünger zeigt, dass selbst sie es nicht wirklich verstanden.Sie waren willig gewesen, das zu tun, was dem reichen Jüngling zu viel war: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.“6
Sie wollten wissen: „Was ist mit uns? Können wir ewiges Leben haben?“
Man darf dabei nicht vergessen, dass seine Jünger „die Armen“ und nicht die Reichen waren. Was war mit ihnen? Indem Er sagte, „Es ist niemand...“ verallgemeinerte Jahschua Seine Worte an den reichen Jüngling und machte sie für alle geltend, sowohl die Reichen als auch die Armen:

„Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfältig empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen, und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.“
(Markus 10,29-30)

Beim Problem „Besitz“ geht es tatsächlich um etwas Tieferes als nur die persönliche Sicherheit. Es geht um Autorität. Jahschua hat Seinen Jüngern nicht gelehrt, ein Evangelium zu predigen, das man durch Wohltätigkeit erfüllen kann. Er hat sie nicht gelehrt, dass man ewiges Leben durch gute Taten und Almosen kaufen kann. Aber Er machte es sehr deutlich, was Errettung ist und wollte wissen: „Werdet ihr tun, was ich von euch verlange?“
Da Er wusste, was im Herzen der Menschen vorgeht, legte Er durch diese Aussage die tiefsten Existenzängste des Menschen bloß. Er sagte diesem Mann dasselbe, was Er jedem anderen Menschen sagte:
Wenn ich nicht die höchste Autorität in deinem Leben bin, gibt es keine Errettung für dich. Deshalb predigte er vor der Volksmenge in Lukas 14,33:
„So kann auch keiner von euch mein Jünger sein, der nicht allem entsagt, was er hat.“
Als daraufhin die Jünger erstaunt fragten: „Wer kann dann überhaupt errettet werden?“ wurden sie getröstet durch Seine Antwort, „Bei Gott sind alle Dinge möglich!“ 7 Was allerdings den meisten entgeht ist, dass Er in den folgenden Versen 29 und 30 näher erläutert, wie es „möglich ist bei Gott.“ Es ist nämlich dadurch möglich, dass man alles aufgibt um Seinetwillen und des Evangeliums willen. Nur so entsteht das Leben, das man mit allen teilt, die gläubig geworden sind und in dem man hundertfach entlohnt wird, unter Verfolgungen und in den zukünftigen Zeitalter mit ewigem Leben.
Als ob Gott Seinem eigenen Wort widersprechen würde, denken einige Menschen, dass Er ihnen ewiges Leben geben würde, obwohl sie Seinem Wort ungehorsam sind. Ist diese Hoffnung nicht etwas zu riskant, wenn man bedenkt, dass die Ewigkeit auf dem Spiel steht?

Fußnoten:
1 Johannes 12,25-26
2 5. Mose 15,4
3 Lukas 19,1-10
4 Matthäus 10,37-38
5 Matthäus 6,21
6 Markus 10,28
7 Markus 10,26-27


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