home weitere Artikel

Du kennst die Gebote

„Du kennst die Gebote…“ Könnte es sein, dass der reiche Jüngling die Forderungen des Gesetzes kannte, wonach es keine Armen im Land geben sollte? 2 Sicherlich hatte er in seiner Jugendzeit davon gehört. Was also passierte in seinem Herzen und in seinen Gedanken, als er später dann doch an den Armen auf der Straße achtlos vorbeilief? Irgendwie wollte er ja schon Frieden mit Gott haben. Deshalb hielt er die Zehn Gebote. Wie also konnte er die Tatsache, dass er so reich war, damit vereinbaren, dass zu gleicher Zeit viele seiner Landsleute sehr arm waren. Er wusste doch, was in seinem Volk darüber gesagt worden war? Liebte er seinen Nächsten wirklich wie sich selbst? 3

Es gibt Menschen, die bestrebt sind, von Gott gerechtfertigt (als gerecht angesehen) zu werden. Und es gibt Menschen, die bestrebt sind, Ihn zu rechtfertigen (als gerecht zu erweisen). 4

Der reiche Jüngling entpuppte sich als jemand, der von Gott gerechtfertigt werden wollte. Hätte er seine Reichtümer den Armen gegeben, dann wäre Gott gerechtfertigt worden. Und auch der reiche Jüngling wäre gerechtfertigt gewesen – was auch durch das ewige Leben, das er für sein Vertrauen und seinen Gehorsam empfangen hätte, für jedermann deutlich geworden wäre.

Die gleiche Angst, die ihn jedes Mal befiel, wenn er an den Armen vorbeiging, kam auch über ihn, als der Meister ihm jene harten Worte sagte. Obwohl er gewiss ewiges Leben ererben wollte, war ihm die damit verbundene Forderung zu hoch. All das aufgeben zu müssen, was ihm stets Quelle seiner Sicherheit und seines Komforts gewesen war, war ihm zu viel. Die mit diesem Schritt verbundenen Ängste konnte bzw. wollte er nicht zu überwinden.

Und so senkte er bei diesen Worten seinen Kopf und ist betrübt weggegangen, denn er war jemand mit viel Besitz.
(Markus 10,22)

Er war so traurig wie jemand, der den Tod einer geliebten Person zu beklagen hatte. Die Hoffnung, womöglich doch noch mit seinem Schöpfer ausgesöhnt werden zu können und doch die Gewissheit ewigen Lebens zu erlangen, schwand dahin. Jedes Mal, wenn er an den Armen vorbeilief und dabei seinen Geldbeutel nur umso fester umklammerte, wusste er, dass irgendetwas nicht stimmte. Jetzt war es ihm klar.

Das Reich der Himmel gleicht einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mann fand und verborgen hielt, und vor Freude geht er heim und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.
(Matthäus 13,44)

Der eine geht bekümmert weg, weil ihm gesagt wurde, er sollte alle sein Besitz verkaufen und Ihn den Armen geben. Ein anderer dagegen gibt fröhlich allen seinen Besitz auf, aus Freude darüber, das Reich Gottes gefunden zu haben.

Ich will den Durstigen das Wasser aus der Quelle des Lebens umsonst geben. Wer überwindet wird alle Dinge erben, und ich werde sein Gott sein und er soll mein Sohn sein. (Offenbarung 21,6-7)

Es schien so, als ob der reiche Jüngling durstig gewesen wäre. Zumindest hatte er sich danach erkundigt, wie man ewiges Leben ererbt. Warum bekam er das Wasser des Lebens nicht, obwohl es doch kostenlos zu haben ist? „Wer überwindet …“ Offenbar gab es etwas in seinem Leben, das er nicht überwinden konnte. Vielleicht war er nicht durstig genug. Furcht mag ihn davon abgehalten haben, die Forderung zu erfüllen, die ihn vom ewigen Leben noch trennte. Der Meister wusste, dass es für jeden Menschen, der ihm nachfolgen und ewiges Leben erben wollte, Hindernisse zu überwinden galt. Darum ist in der Offenbarung wiederholt die Rede von dem „der überwindet“. Auch hat Er gesagt „Nimm dein Kreuz auf dich!“

Der Mensch in Matthäus 13,44, der all seinen Besitz verkaufte, um den Acker zu kaufen, hatte offensichtlich vom Wasser des Lebens getrunken. Die Angst, die den reichen Jüngling überkam, hätte auch über ihn kommen können. Doch er bewies, dass er kein Feigling war. Der Schatz war ihm mehr wert als sein Leben in dieser Welt.

Wer sein Leben liebt, verliert es, und wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren.
(Johannes 12,25)

Nichts sichert dein Leben in dieser Welt mehr ab als Reichtum. Mit Sicherheit müsstest du dein Leben in dieser Welt hassen, wenn du deine Reichtümer aufgeben wolltest. Wer sein Leben in dieser Welt liebt, muss sein Vertrauen in Reichtümer setzen.

Kinder, wie schwer ist es für diejenigen, die auf ihren Reichtum vertrauen, ins Königreich zu kommen. (Markus 10,24)

Offenbarung 21,8 beschreibt das Schicksal derer, die das Hindernis, das sie abhält vom Wasser des Lebens zu trinken, nicht überwinden konnten. Dies sind die „Feiglinge und Ungläubigen“.

Von den im genannten Vers aufgelisteten Personengruppen, die alle in den zweiten Tod bzw. den See von Feuer und Schwefel 5 kommen, sind die Feiglinge die schlimmsten. Das schlimmste Verbrechen nämlich, das jemand begehen kann, ist, den Messias zurückzuweisen. Wer das tut, weist Gottes Liebe zurück.

Das freilich trifft nicht auf die zu, denen das Wasser des Lebens nie angeboten wurde; wohl aber auf die, welche Gelegenheit hatten, davon zu trinken, es aber - gleich dem reichen Jüngling - nicht taten. Es trifft auf Menschen zu, die sich aus Angst ihr „Leben in dieser Welt“ zu verlieren, weigern, ihr Vertrauen in den Messias zu setzen.

Sein ganzes Leben lang lebte der reiche Jüngling mit der Angst, das zu verlieren, was sein Leben hier auf der Erde so bequem machte. Gottes Gnade war gekommen, um ihn von dieser Angst zu befreien und ihn von seiner Sünde zu erretten. Er hätte von seiner Angst befreit werden können, hätte er sein Vertrauen auf Ihn gesetzt. Er hätte sein Kreuz auf sich nehmen können, um Ihm nachzufolgen. Und sein Selbstleben, das so sehr am irdischen Reichtum hing, wäre gekreuzigt worden. Aber er empfing das Kreuz nicht. Er war ein Feigling. Im entscheidenden Augenblick gab er der Angst nach. Nichts ging ihm über seine eigene Sicherheit. Das ist das gefährliche an einem Feigling: Wenn sein Leben in Gefahr ist, tut er alles, um es zu retten. Wie viele Greueltaten in der Geschichte sind auf diesen Grundsatz zurückzuführen! Die Feiglinge und Ungläubigen in Offenbarung 21,8 sind also diejenigen, die sich weigern zu glauben, weil ihr Selbstleben bedroht ist.

Wehe Euch

Aber wehe euch Reichen. Ihr empfangt euren Trost aus dem Vollen. (Lukas 6,24)

„Wehe“ ist eine ernste Warnung vor hereinbrechendem Verderben. Das „Wehe“ gilt den Reichen, denn wenn das Leben in dieser Welt zu Ende geht, wird auch ihr Trost zu Ende gehen, genauso wie Abraham dem reichen Mann sagte:

Kind, gedenke, dass du dein Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben und Lazarus ebenso das Böse, jetzt aber wird er hier getröstet, du aber leidest Pein. (Lukas 16,25)

Das Betrübtsein, mit dem der reiche Jüngling wegging, war nur ein Vorgeschmack ewiger Qual. Wehe ihm! Oh, wie traurig! Er hätte das tun können, was die Jünger getan hatten. Vielleicht war er bisher machtlos gewesen, die Fesseln seines Reichtums zu überwinden, die seine Seele gefangen hielten. Doch wie auch der Meister Seinen Jüngern an jenem Tag sagte: „Mit Gott sind alle Dinge möglich.” 6

Das Gesetz erfüllen

Denke nicht, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. (Matthäus 5,17)

Von Anbeginn wusste Israel, das Volk Gottes, dass es keine Armen unter ihnen geben sollte. 7 So stand es im Gesetz. Warum gab es dennoch so viele Arme zu Lebzeiten des reichen Jünglings? Obwohl das Gesetz die Güte Gottes beschrieb, hatte es nicht die Kraft, den Menschen von seiner Sünde zu befreien. Und genau das hatte sie immer daran gehindert, wirklich Gottes Herz auszudrücken.

Das ist genau der Grund dafür, warum Er Seinen Sohn sandte.

Und sie wird einen Sohn gebären; und du sollst seinen Namen Jahschua nennen; denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden. (Matthäus 1,21)

Das Gesetz war gut. Was es aber nicht bewerkstelligen konnte, musste warten, bis der Erretter kam. Natürlich kam der Erretter nicht, um das Gesetz abzuschaffen. Er kam, die Menschen von ihrer egoistischen Natur zu befreien (welche sie zur Sünde verleitet), zu befähigen, das Gesetz zu erfüllen. Er kam nicht, um es ganz alleine zu erfüllen. Er beabsichtigte nicht, die Armut auf eigene Faust abzuschaffen. Indem die Menschen von ihrem egoistischen Dasein befreit werden und so den Armen helfen, sollte das Gesetz erfüllt werden. Das war mit „alle Dinge“ gemeint, die bei Gott möglich sind.

Wenn er doch nur sein Vertrauen in den „guten Lehrer“ gesetzt hätte wie die Jünger, die sagten: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.

Denn ihnen hat der Meister geantwortet:

Wahrlich, ich sage euch: Da ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums Willen, der nicht hundertfach empfängt, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker unter Verfolgungen und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben.
(Markus 10,29-30)

Der reiche Jüngling hätte nicht nur ewiges Leben empfangen, sondern hundertfach das, was er aufgegeben hatte, und das in diesem Zeitalter. Was er für den Messias aufgegeben hätte, wäre zu dem dazugekommen, was andere bereits aufgegeben hatten. Sie war Seinem Ruf gefolgt und dies schuf eine gemeinsame Kasse, und ein „Gemeinwesen“; eine „Politeia“, wie Paulus sagt.

Denkt daran, dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen von der „Politeia“ Israels und Fremdlinge hinsichtlich der Bündnisse der Verheißung und ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. (Epheser 2,12)

Dieses Gemeinwesen würde durch diejenigen gegründet, die nach Seinem Tod und Seiner Auferstehung alles
aufgegeben hatten.

Alle Gläubige aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war.
(Apostelgeschichte 2,44-45)

Die Menge derer aber, die gläubig geworden waren, waren ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein Eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große Gnade war auf ihnen, denn so viele Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen der Apostel; es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnisse hatte.
(Apostelgeschichte 4,32-35)

Endlich waren sie durch die errettende Kraft des Messias fähig, das wunderbare Gesetz zu erfüllen. Sie brachten die Frucht des Königreiches Gottes hervor. 8

Wie schade, dass der reiche Jüngling nicht den Mut hatte, seine Ängste überwand und sein Vertrauen in den Messias setzte.

Wie schade, dass er dem Reichtum vertraute.

Wie schade, dass er ein Feigling war. Wenn er doch nur überwunden hätte!

So kann nun keiner von euch, der nicht alles aufgibt, was er hat, mein Jünger sein. (Lukas 14 ,33)

Keiner kann den Trost behalten, den ihm sein Besitz bietet, und gleichzeitig den Gott allen Trostes zum Gott haben. 9 Was Er vom reichen Jüngling forderte, wurde Bestandteil des in Schriftform gebrachten Evangeliums und somit für jedermann verbindlich, der Ihm nachfolgen will.

Denn das Evangelium ist die Kraft Gottes, die Menschen aus dem Reich der Finsternis in Sein Königreich zu versetzen mag. 10

Wie kann jemand sein Vertrauen auf Ihn setzen, solange er noch auf seinen eigenen Besitz vertraut?

Fußnoten:
1 Die Geschichte von dem „Reichen Jüngling” steht in Markus 10,17-30; Matthäus 19,16-30 und Lukas 18,18-30
2 5.Mose 15,4 und 8
3 Matthäus 19,19; 4. Mose 19,18
4 Lukas 7,29 und 35
5 Offenbarung 22,11
Weitere Ausführungen über die Drei Ewigen Schicksale der Menschen findest du unter
http://www.zwoelfstaemme.de/3EDgertoc.htm
6 Markus 10,28
7 Markus 10,26-28
8 Matthäus 21,43
9 2. Korinther 1,3-4
Gelobt sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unsrer Trübsal, auf dass wir die trösten können, welche in allerlei Trübsal sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden.
10 Römer 1,16 und Kolosser 1,13


 Home

Wer Wir Sind

Wo Wir Sind

Was Wir Glauben