Ein Zuhause
Koordination des Leibes
Kannst du dir einen menschlichen Körper vorstellen, dessen Glieder unabhängig voneinander handeln und die Signale vom Haupt weder empfangen noch umsetzen? Angenommen, ein Fuß entschiede sich nach links, der andere nach rechts zu gehen oder angenommen, die Hände entschieden sich den Hals zu umschlingen, fest zuzudrücken und zehn Minuten lang nicht loszulassen! Was würde aus solch einem Körper werden? So eine Vorstellung kommt einem zwar lächerlich vor, entspricht sie nicht aber tatsächlich dem heutigen „Leib Christi“? Einzelne Christen und ganze Konfessionen handeln völlig unabhängig voneinander und das oft mit gegensätzlichen Zielsetzungen. Das führt sogar so weit, dass sie gegeneinander Kriege führen.
Im wahren Leib Christi kann es jedoch kein unabhängiges Jüngersein geben, denn solche Unabhängigkeit zerstört den Leib. In einem wahren lebendigem Leib, der lebt, sind alle Glieder untrennbar miteinander und mit dem Haupt verbunden. Diesem ordnen sie sich völlig unter. So arbeiten alle Glieder in Koordination zusammen zum Wohle und Wachstum des Leibes1.
Nie mehr allein
Dass der Leib so zusammenarbeitet, liegt nicht bloß an den internen Abläufen und der Organisation, sondern das Wirken der Liebe macht aus dem Leib ein Zuhause einen Ort, an dem jedes Glied unersetzlich ist und aufmerksam umsorgt wird 2. Es liegt in der Natur Gottes selbst, dass der Leib, in dem Sein Geist wohnt, den Einsamen ein Zuhause bietet (Psalm 68,6). Es gibt keine einsamen Jünger.
Wer hat jemals auf eigene Faust versucht ein Jünger zu sein? Geht das denn? Nein, es bedarf nämlich einer Gemeinschaft, in der die Jünger leben und gedeihen können. Die Gemeinschaft ist ein Zuhause ein real existierender Ort auf der Landkarte, wo einzelne Familien zusammenleben und -arbeiten und alles gemeinsam haben3. Es ist nicht bloß ein Zuhause, das man sich einbildet. Ein Zuhause ist da, wo man wirklich lebt. Die Gemeinde muss ein Zuhause sein 4. Sie ist der Ort, an dem Er wohnt 5 und Sein Volk wohnt. Durch Sein Volk hat Er eine Adresse und dort dient man Ihm. An diesem Ort werden alle Jünger von Gott geehrt 6 und sie sind nicht bloß alle gleichberechtigt und sonntags willkommen; sondern hier werden sie geehrt, anerkannt, wertgeschätzt und die ganze Woche lang gebraucht. Ein anderes Zuhause gibt es nicht und man kann Christus nirgendwo sonst dienen, weil Er ausschließlich in Seinem Leib zu finden ist. Die Realität, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist 7, drückt sich nicht bloß darin aus, dass das Wort vor 2000 Jahren in dem Mann Jesus Fleisch wurde, sondern darin, dass Er in den Himmel aufgefahren ist und Seinen Geist gesandt hat, um in einem leibhaftigen, greifbaren8 Leib zu wohnen 9. Wenn dieser Leib heute nicht ganz genauso leibhaftig und sichtbar ist wie Sein menschlicher Körper damals, was ist dann die Realität und das Zeugnis Seiner Wiederauferstehung 10? Es bedarf einer Gemeinschaft, um Ihn zu repräsentieren.
Ein Platz an dem man geprüft und betreut wird
Es bedarf einer Gemeinschaft, um Jünger zu erproben. Jesus erzählte Gleichnisse über das Königreich 11, die verdeutlichen sollten, dass manche das Wort empfangen und Frucht bringen würden, während andere abfallen würden und wiederum andere würden scheinbar Frucht tragen, sich jedoch am Ende als falsch entpuppen. Die Gemeinschaft ist der Feuerofen, der die Echtheit von Jüngern erprobt. Die Gemeinschaft ist eine Folterkammer für die fleischlich Gesinnten, die für sich selbst leben. Der Meister sagte: „Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf täglich und folge mir nach!“12 Beachte, dass Er „täglich“ sagte und nicht „wöchentlich“! Die Gemeinschaft steht und fällt dadurch, dass sich alle Glieder selbst verleugnen, um die Nöte ihrer Brüder und Schwestern zu decken und täglich ihr Leben füreinander hinzugeben 13. Nur in einer Gemeinschaft können das Wort Gottes und die gute Nachricht befolgt und ausgelebt werden.
Wenn jemand sagt, er kenne Gott, doch er befolgt Seine Gebote nicht, weil er es nicht kann oder will, der ist ein Lügner und die Wahrheit ist nicht in ihm 14. Wie könnte man schließlich auch je Seine Gebote befolgen, wenn nicht in Gemeinschaft, wo man tagtäglich den Bedürfnissen und Fehlern seiner Brüder und Schwestern ausgesetzt ist 15? Nur dort kann man einander praktisch lieben, täglich ermutigen und darauf achten, dass es niemandem an der Gnade Gottes mangelt . Wie könnte man je alleine und losgelöst von Seinem Leib errettet werden?
Worte allein reichen nicht
Entgegen dem allgemeinen Verständnis muss man der Guten Nachricht gehorchen16 und dazu bedarf es einer Gemeinschaft; es geht nicht in den eigenen vier Wänden. Es reicht auch nicht, einmal oder gar zweimal in der Woche in die Kirche zu gehen. Jünger Christi können nur in einer Gemeinschaft leben, sie brauchen den täglichen Umgang miteinander, Nur dort können sie täglich ihr Kreuz auf sich nehmen 17 und Ermutigung von den Brüdern und Schwestern empfangen, mit denen man tagtäglich zusammen ist 18. Wie kann jemand die Gewissheit haben, aus dem Tod ins Leben gekommen zu sein 19, wenn er es nicht dadurch bezeugen kann, dass er in der Praxis sein Leben für seine Freunde niederlegt 20?
Worte allein reichen nicht aus21.
Dienst im Leib
Gott zu dienen, so wie die zwölf Stämme es nach der Beschreibung des Paulus taten 22, ist ein rund-um-die-Uhr-Unterfangen. Er beschrieb lediglich das, was der Meister im Johannes 12,26 meinte, als Er sagte, dass man Ihm dort dienen soll, wo Er ist. „Dienen“ heißt hier, sich um die Bedürfnisse der anderen Glieder des Leibes zu kümmern. Dies geschieht dadurch, dass jedes Glied dem Haupt dient. Es handelt sich um eine Gemeinschaftsanstrengung ohne ungesteuerte Handlungen. Wir können dem Haupt nur dadurch dienen, dass wir füreinander sorgen 23. Dies ist der Wille des Hauptes. Wir helfen einander ganz direkt unter der Aufsicht unserer Vorsteher und Ältesten, welche die „Diener aller“ sind. Sie sehen alle Bedürfnisse und wissen, wer am besten geeignet ist, um da zu dienen, wo die größte Not herrscht. So funktioniert der Leib. Und dazu bedarf es einer Gemeinschaft.
1 Kolosser 2,19; Epheser 4,15-16 2 Epheser 5,29 3 Apostelgeschichte 2,44-45; 4,32-35 4 Johannes 12,26 5 Johannes 14,18.21.23
6 Johannes 12,26; 1. Korinther 12,21-27
7 1. Johannes 4,2-3; Johannes 1,14 8 “Greifbar” bedeutet, dass etwas mit den Sinnen insbesondere dem Tastsinn- wahrnehmbar ist.
9 Epheser 2,19-22 10 Apostelgeschichte 4,33; Johannes 14,12; 1. Johannes 4,17 11 Matthäus 13
12 Lukas 9,23 13 Johannes 15,13; Johannes 13,34-35; 1. Johannes 3,16 4 1. Johannes 2,4
15 1. Johannes 3,17 16 Johannes 3,36; Lukas 14,26-33; Markus 10,25-30 7 Lukas 9,23
18 Hebräer 3,13 19 Johannes 5,24
20 1. Johannes 3,14.16.23 und 24; Johannes 15,12-13
21 1. Johannes 3,18-21 22 Apostelgeschichte 26,7 siehe auch Seiten 46 - 47
23 Johannes 13,34.35
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