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"Einsamkeit ist ein zehnjähriges Mädchen"

Einsamkeit ist ein zehnjähriges Mädchen, das sich in der Pause gegen die Betonmauer eines Schulgebäudes drückt und hofft, dass die Glocke bald ertönt, damit sie sich wieder hinter ihrem Schultisch verstecken kann. Im Klassenzimmer ist es nicht so offensichtlich, wie im Gedränge draußen auf dem Pausenhof, dass sie einsam ist.
Die Glocke läutet – für einen Moment ist sie erleichtert. Von ihrem Schultisch aus beobachtet sie die Uhr und hofft auf die Mittagspause, die sie davon erlösen wird, nicht als Versager in Mathe dazustehen.
Ah, endlich Mittagspause – wieder ist sie für eine kurze Zeit erleichtert. Sie geht zur Cafeteria mit einem Buch unterm Arm und setzt sich ganz unauffällig alleine an einen Tisch. Sie starrt eine halbe Stunde auf dieselbe Seite.
Nach der Schule, auf dem Heimweg meidet sie die Hauptstraße und spricht scheinbar mit sich selbst. Aber eigentlich ist sie in Gedanken ganz woanders, sie lebt zu einer anderen Zeit. In ihrer Phantasie wird sie zur glänzenden Unterhalterin, die zu jeder Party eingeladen wird. Jetzt ist sie ein Filmstar, der in einem glitzernden Kleid umherwirbelt. Hey! Sie hält inne und blickt erschrocken um sich, als sie wieder von ihrem Tagtraum aufschreckt. Sie hofft, dass keiner sie bemerkt hat.
Endlich ist sie zuhause in Sicherheit, sie kann es kaum erwarten mit ihrem Freund zu reden, dem einzigen, der sie zu verstehen scheint. Der Familienpudel „Rex“ wartet schon mit wedelndem Schwanz an der Tür. Aber tief in ihrem Herzen weiß sie doch, dass er für jeden den Schwanz wedeln würde. Wenn ein Ganove vor ihm stünde, wäre er genauso freundlich. Ihr Hund ist also doch nur ein Hund.
Einsamkeit ist ein Student, der den Gang entlang hastet, mit Büchern unterm Arm, die er nicht für seine Unterrichtsstunden braucht. Endlich hat er etwas gefunden, mit dem er sich beschäftigen kann, clever getarnt als einer der Studenten. Immer geradeaus schauend, ignoriert er das Flüstern und die Bemerkungen der Anderen. Er weiß genau, dass sie über ihn reden aber er kümmert sich nicht um sie. Es bleibt ihm nichts anderes übrig.
Einsamkeit ist ein Geschiedener, der weinend durch den Zaun eines Kindergartenspielplatzes starrt. Dort drinnen spielt sein fünfjähriger Sohn im Sand. Er weiß nicht, dass sein Vater dort stehst. Der Vater hat das Sorgerecht verloren. Die nächste Besuchszeit ist erst wieder am Wochenende. Aber was ist schon ein Sonntagsbesuch in seiner kleinen Welt? Er fühlt sich verletzt und ist seinem Vater gegenüber verbittert. Und es ist seine Schuld. Da sitzt er nun,
30 m entfernt und er hat ihn verloren. Er schlingt seinen Mantel enger um sich, macht sich bereit zu gehen. Seine Finger spielen noch nervös mit dem Eisengitter, während er langsam weggeht.
Einsamkeit ist Trennung und Entfremd-ung. Es ist das Ergebnis von Selbstsucht. So sind wir aufgewachsen und haben die Einsamkeit, die hier beschrieben ist, erfahren. Aber es gibt jemanden, der für unsere selbstsüchtige Vergangenheit bezahlt hat. Jahschua*, er ist sogar ein Freund derer, die nicht wissen, wie man ein Freund ist. Er macht uns zu Freunden. 




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