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Gemeinsam auf dem Weg

Da war dieser Mann, von dem man zu Beginn nur wusste, dass er von Nazareth kam. In kurzer Zeit scharrte er eine Gruppe von Menschen um sich. Ganz normale Menschen, die wie alle anderen auch aufgewachsen sind, durch vieles durchgegangen sind und Entscheidungen für ihr Leben getroffen hatten, gute und schlechte. Unter anderem auch solche die nicht wieder gut zu machen waren.
Jetzt waren sie zusammen mit diesem Mann, Jahschua von Nazareth. Sie verbrachten ihre ganze Zeit, Tag und Nacht, miteinander und mit ihm. Warum? Einerseits hatte er ein freundliches Wesen und viel Verständnis für die Dinge, unter denen jemand leiden konnte, gleichzeitig schien er aber auch Autorität und die Schlüssel zu ihren Problemen zu haben. Immerhin hat er sie gerufen mit ihm zu gehen und sie konnten und wollten ihm diesen Wunsch nicht abschlagen, wenn sie zu anfangs auch nicht viel verstanden, außer dass man ihm anmerken konnte, dass er ein Lehrer war. Er durchschaute auch ihre Schwierigkeiten und Lasten.
Also hat er eine Umgebung für sie geschaffen, in der sie alles miteinander teilen konnten - nicht nur ihren Besitz, sondern auch ihre Freuden, ihr Leid und ihre Probleme. Das ist es, was es heißt, Gemeinschaft miteinander zu haben.
Den Begriff Gemeinschaft zu verstehen, fällt uns heutzutage schwer. Bei dem Wort Gemeinschaft denkt man eher an ‘Kaffee und Kuchen’ oder an eine Kommune. Aber die Gemeinschaft, die Jahschua und seine Jünger kannten, war alles zu teilen, alles gemeinsam zu haben. Deshalb scharte Jahschua seine ausgesuchten Zwölf um sich und war die ganze Zeit mit ihnen. Sie teilten also ihr Leben miteinander. Sie lernten zu verstehen wie Jahschua, den sie Meister nannten, die Dinge sah und welche Verbundenheit er zu unserem Schöpfer hatte. Immer waren sie an seiner Seite. Sie sahen wie er schwierigen Situationen gegenüberstand und wie er sie meisterte. Tief in ihrem Herzen verstanden sie, was es bedeutete, als er sagte, dass er nichts ohne seinen Abba (übersetzt Quelle oder Vater) tun konnte. Sie wussten, woher er seine Kraft schöpfte. Er bewies ihnen, dass er keine besseren Voraussetzungen hatte als sie oder jeder andere. Er benutzte keine übernatürlichen oder göttlichen Mächte, sondern tat alles als Mensch, der Gemeinschaft mit seinem Schöpfer beibehielt.
Er zeigte ihnen, wie wahre Menschen leben sollten. Aber er hat ihnen nicht nur gezeigt, wie sie leben sollten, sondern er hat sie für einen noch größeren Zweck vorbereitet. Zuerst musste er alle falschen Konzepte in ihnen richtigstellen. Darum blieb er bei ihnen und hielt sie zusammen, bis all ihre falschen Wege ans Licht kamen. In der Zeit, die sie mit ihm verbrachten, wurde alles in ihnen offensichtlich. Ihre versteckten Motive kamen ans Licht. Ihre Oberflächlichkeit, ihre Machtkämpfe, ihr Egoismus, ihre Unwilligkeit Lasten oder Leiden zu ertragen - alles kam zum Vorschein. Für sie war dies eine Zeit des intensiven Trainings. Sie stritten miteinander, verletzen des anderen Gefühle, schmollten, murrten, strebten, ärgerten sich über einander, tratschten, bis alle Falschheit die in ihren Herzen war offenbar wurde. Auf diese Weise konnten sie diese Dinge bekennen und dann dafür vergeben werden und endlich so sein, wie es ihr Schöpfer vorgesehen hatte. Ihre Masken fielen und sie lernten, sich selbst richtig einzuschätzen. Sie ließen alle Gedanken darüber, etwas besonders und besseres zu sein, hinter sich und lernten sich selbst und andere zu akzeptieren, wie sie sind. Sie erkannten, dass sie ohne ihren Schöpfer hoffnungslos verloren waren und ohne ihn nichts tun konnten.
Jahschua sprach zu ihnen über „neu geboren zu werden” und „wie kleine Kinder zu werden”. Er verbrachte viel Zeit mit der Vorbereitung seiner Freunde, so dass sie seinen Geist kennen lernen konnten. Dieser Geist war ihre einzige Hoffnung, je vollkommene Menschen zu sein.
Eines Tages, etwa drei Jahre nach ihrer ersten Begegnung, während sie den Raum für das Pesach-Festmahl in Jerusalem vorbereiteten, wusste Jahschua in seinem Herzen, dass er das letzte Mahl mit seinen besten Freunden zusammen sein würde. Er wusste, dass große Leiden auf ihn zukommen würden. Er schaute alle nach einander an und dachte daran, wie sehr er jeden von ihnen liebte. Inzwischen kannte er jeden sehr genau, er kannte all ihre Stärken und ihre Schwächen und sie waren die engsten Freunde miteinander geworden. Ein Schmerz traf ihn tief, denn er wusste, dass die Schrift erfüllt werden musste und einer von seinen besten Freunden ihn verraten würde.
Seine Freunde nun waren umso mehr erstaunt, als er in die Ecke des Raumes ging und Wasser in eine Schüssel füllte, zurückkam und vor ihnen niederkniete. Sie fragten sich, warum Jahschua dieses tat. Dann nahm er die Schüssel mit Wasser und band sich ein Handtuch um und begann ihnen die Füße zu waschen. Er kniete sich vor Simon Petrus, den er Kepha (Fels) genannt hatte, nieder um seine Füße zu waschen. Kepha fragte ihn: „Willst du etwa meine Füße waschen?“ Jahschua antwortete: „Was ich gerade mache, wirst du jetzt nicht verstehen, doch später wirst du es begreifen.“ Kepha widersetzte sich: „Niemals sollst du mir die Füße waschen!“ „Wenn ich dir nicht die Füße wasche, dann kannst du keinen Anteil an mir haben“, erklärte ihm Jahschua.
Daraufhin sagte Kepha: „Dann wasche mir doch auch die Hände und den Kopf!“ Jahschua erwiderte: „Wenn du vorher gebadet hast, ist dein Körper rein, nur die Füße brauchen noch gewaschen zu werden.“ Er sprach weiter: „Ihr seid alle rein, bis auf einen“, weil er wusste, wer ihn verraten würde. Nachdem er ihnen die Füße gewaschen hatte, kehrte er zu seinem Platz am Tisch zurück. „Begreift ihr, was ich eben getan habe?“, fragte er sie: „Ihr nennt mich Meister, das ist richtig. Ich bin euer Lehrer, und ich habe euch trotzdem die Füße gewaschen. Deshalb sollt ihr euch auch gegenseitig die Füße waschen. Ich habe euch gezeigt, wie ihr miteinander umgehen sollt.“
Jahschua war mit seinen Jüngern auf den staubigen Wegen Israels gegangen. Dabei wurden ihre Füße natürlicherweise schmutzig. Bevor sie sich an diesem Abend um den Tisch lagerten, wusch Jahschua ihnen die Füße. Die schmutzigen und stinkenden Füße hätten ihre Gemeinschaft behindert. Diese Handlung hatte noch eine andere, tiefere Bedeutung. Die dreckigen und stinkenden Füße repräsentieren unsere verletzenden Eigenschaften, die die Gemeinschaft mit ihm und uns behindern. Jahschua war es besonders wichtig, dass nichts ihre Gemeinschaft stören würde.
So kommunizierte er ihnen also seinen Geist, damit er letztlich in ihnen weiterleben sollte. Seine Nachfolger wussten, wie ihr Lehrer war und als er nicht mehr bei ihnen war, waren sie wie er. Diese auserwählten Botschafter waren in ihrem täglichen Zusammensein wie durch ein reinigendes Feuer gegangen und hatten gelernt, demütig und ehrlich zu sein. Als dann zu einem späteren Zeitpunkt Jahschua nicht mehr bei ihnen war, reflektierten sie den Geist des allmächtigen Schöpfers. Sie waren voller Freude, Liebe, voll Zuversicht unwahrscheinlich geduldig, sanft wie Tauben und freundlich zu jedermann, sogar zu denen, die ihnen nicht wohl gesonnen waren. Und sie besaßen einen außergewöhnlichen Frieden, den gewöhnliche Menschen nicht erfassen konnten.
Das war das Resultat des harten Trainings, das sie in der Zeit mit Jahschua durchgemacht hatten. Sie hatten die Wege Jahwes - unserem Schöpfer - gelernt, eine neue Lebensweise und eine neue Art, mit anderen umzugehen. Jetzt wurden sie zu den Lehrern. Nun sammelten sie andere um sich und etablierten das gleiche, praktische Leben in Gemeinschaft, das sie mit Jahschua kennengelernt hatten. Sie erteilten anderen die gleichen Weisungen, die sie selbst gelernt hatten. Sie halfen ihnen, ihre falschen Konzepte und falschen Identitäten aufzugeben. Sie lehrten sie, Jahschua zu vertrauen. Aber jetzt war da noch ein erstaunlicher Unterschied. Gemeinschaft mit ihm bedeutete gleichzeitig, dass sie Gemeinschaft miteinander hatten. Sie lernten ihn in einander zu erkennen und zu respektieren. Sie fingen an, ihn zu lieben, und deshalb liebten sie einander. Sie waren bereit, alles füreinander zu tun. Sie gaben ihre Häuser, Äcker, Besitztümer, Freunde und Familienbeziehungen und ihre Unabhängigkeit gerne auf. Jahschua und den anderen treu zu sein, war alles, was sie wollten.
So sieht wahre Gemeinschaft aus. Das war das ursprüngliche Leben der ersten Gemeinschaften in Jerusalem. Sie widmeten sich völlig ihrem Schöpfer. Ihr größtes Anliegen war, dass sein Name wieder verherrlicht werden würde auf Erden, dass sein Reich komme, eine neue Gesellschaft und dass sein Wille geschehe, wie im Himmel so auf der Erde. Sie gaben sich vollkommen dazu hin, ihn und einander zu lieben und sich darum zu sorgen, dass keiner in ihrer Gemeinschaft Not leiden würde.
Der Eifer dieser ersten Gemeinschaften versetzte die ganze Welt in Staunen. Nichts war ihnen zuviel. Sie brachten diese lebendige Sache uneingeschränkt überall hin und teilten sie mit jedem, der sie annehmen wollte. Sie wurden nicht zu einer neuen Religion, sondern zu einem neuen Volk. Sie wurden zur Gütergemeinschaft Israels. Jeder, der willig war den Willen seines Schöpfers zu tun, konnte Teil dieses Volkes werden. Das selbstaufopfernde Leben, das sie führten, breitete sich über die Grenzen des Landes aus. Alle Gemeinschaften in allen Stämmen die entstanden, hielten zusammen. Eine Gemeinschaft half der anderen.
So sieht es also aus, wenn man ein neues Leben anfängt. Es bedeutet nicht, dass wir nur reingewaschen sind und unser Schicksal sich geändert hat, sondern, dass das Leben von Einsamkeit und Entfremdung durch ein anderes Leben eingetauscht wird. Dieses ‘errettende Leben’, welches Jahschua angefangen hat, stellt uns wieder vollkommen her. Das mag fast wie ein Traum klingen. Jahschua hat aber versprochen, dass eine Zeit kommen wird, in der alles wiederhergestellt werden wird. Wir glauben, dass das Leben jetzt wiederhergestellt wird.


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