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Die Maske

Sie war jetzt alt und ihre verschrumpelte Innenseite kratzte sein juckendes Gesicht.
Aber als er einen kurzen Blick in den Spiegel warf, konnte er sehen, wie seine äußere Erscheinung weiterhin friedvoll lächelte. Seitdem er sie aufgesetzt hatte, hatte sie nie aufgehört genau so zu lächeln.
Als er damals bei der Party aufgetaucht war und ihm jemand die Maske angeboten hatte, lehnte er sie höflich ab, mit den Worten, er habe sie nicht nötig. Aber einer hinter einer großen grinsenden Maske meinte, dass die Leute denken könnten, er fühle sich bei der Party nicht wohl, wenn er keine trüge. Und wenn er einen unglücklichen Eindruck machte, könnte er gebeten werden zu gehen.
Zunächst erschien ihm die Maske ganz annehmbar. Sie fühlte sich gut an, sah echt aus und gab ihm das Gefühl, dazu zu gehören. Da er jetzt schon einmal hinter der Maske versteckt war, kam es nicht mehr darauf an, ob ihm die Party oder die Gäste gefielen. Niemand konnte es wissen.
Aber im Laufe des Abends fiel ihm auf, dass die Masken sich immer ähnlicher wurden: lächelnd, glücklich, selbstzufrieden. Er warf einen Blick in den Spiegel. Sogar seine eigene Maske sah inzwischen so aus.
Plötzlich bekam er Angst. Was wäre, wenn seine Maske herunterrutschen sollte, in einem unbedachten Augenblick? Was wäre, wenn alle bemerkten, dass er hinter seiner Maske gar keinen Spaß hat?
Er starrte sein friedlich lächelndes Spiegelbild an. Ihm wurde übel. Hinter ihm tuschelten ein paar Masken miteinander. Eine Maske meinte, man sollte sich mehr anstrengen, Masken zu verbreiten.
Aber etwas nagte innerlich an ihm. Vielleicht würde er ja doch nicht ohne Maske weggeschickt. Vielleicht könnte er sogar dadurch eine Bewegung in Gang bringen, wenn er seine Maske abnähme. Vielleicht würden dann die anderen auch den Mut haben ihm nachzufolgen und jeder könnte wieder er selbst sein.
Er hatte diese Maske schon zu lange getragen. Ihre trockene, schrumpelige Innenseite scheuerte und zwickte sein Gesicht. Plötzlich bedeutete sie ihm überhaupt nichts mehr. Sie hatte sein wahres Ich gar nicht verändert, war nur Heuchelei, eine Fassade, nur Gespött.
Nichts wie weg damit!
Er griff nach ihr, es war ihm egal geworden, was alle anderen tun oder denken würden. Er hasste sie. Er wollte, dass sein Gesicht sein eigenes sei, nicht irgendeine grinsende Maske. Seine Finger fassten nach der Schnur, nach dem Rand – aber die Schnur war weg und er konnte nicht mehr erkennen, wo die Maske aufhörte und wo seine Haut begann.
Seine Augen hingen am Spiegel, er zupfte verzweifelt an der verschrumpelten Form und zog, bis sein ganzes Gesicht stach und in Schmerz entbrannte. Seine lächelnden Lippen stießen einen Schrei hervor. Die Maske war an seinem Gesicht festgewachsen. 



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