Der Kreis der Jünger
Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein; und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
(Lukas 14,26-27)
Als Jahschua diese
Worte Seinen Anhängern verkündete, dachte
Er vielleicht an die Zeit zurück,
als selbst Er die Worte Marias, Seiner
eigenen Mutter, ignorieren musste. An jenem
Tag war Er im Kreis Seiner Jünger
in einem Haus gesessen. Eine große
Menge von Menschen war bei Ihm und klammerte
sich an jedes Seiner Worte. Gefüllt
mit dem Heiligen Geist sprach Er in Gleichnissen
zu ihnen. Die Priester jedoch und die Pharisäer
waren voller Empörung. „Was
bildet sich dieser Provinzler aus Nazareth überhaupt
ein, dass er den Menschen erklärt,
die heutige Religion sei korrupt? Wir sind
dazu auserwählt, über Gott zu
lehren… dieser Mann hat den Verstand
verloren!”
Das Gerücht, Er sei verrückt
geworden und von Dämonen besessen,
war auch zu Seiner Mutter und Seinen Brüdern
gelangt! Was war bloß mit Ihm geschehen
seit der Zeit, als Er noch ein kleiner
Junge gewesen war und all die Lehrer im
Tempel
mit Seinem tiefen Verständnis über
das Gesetz und die Propheten verblüffte?
Warum akzeptierten Ihn dieselben Menschen
von damals nicht auch heute? Sicherlich
war Er vom Weg abgekommen… Irgendetwas
war schief gelaufen… Sie musste sich
sofort auf den Weg machen und ihren Jungen
zu sich holen, bevor es zu spät war!
Erinnere dich doch an die Worte Simons,
damals, als Jahschua ein kleines Baby war
und Maria und Josef Ihn zur Weihe in den
Tempel gebracht hatten. Simon sprach: „Siehe,
dieses Kind ist gesetzt zum Fall und Aufstehen
vieler in Israel und zu einem Zeichen,
dem widersprochen wird. Und ein Schwert
wird deine eigene Seele durchbohren…” (Lukas
2,24-35) Was hatte das zu bedeuten? Warum
würde man dem Messias widersprechen?
Sollte man Ihn nicht mit großem Jubel
und Festlichkeit empfangen? Mit Sicherheit
stimmte hier etwas nicht!
So machte sie sich mit ihren anderen Söhnen
auf den Weg, um Ihn zu retten. Als sie
das Haus erreichten, war dieses so voller
Menschen, dass sie nicht eintreten konnte.
Menschen saßen und standen, wo immer
sie nur konnten, um zu hören, was
Er zu sagen hatte, oder nur um einen Blick
auf Ihn werfen zu können. Dort saßen
auch die Pharisäer, die eifersüchtig
auf diesen Betrüger waren, der ihnen
treue Jünger stahl und ihnen die Wahrheit
sagte. Wie sehr sie doch die Wahrheit hassten!
Mit jedem Seiner Worte, das Licht auf
ihre dunkle Seelen warf, knirschten ihre
Zähne lauter. Seine Worte offenbarten,
dass sie wirklich nur leere Hülsen
waren, die keine Frucht hervorbrachten.
Führer und Laien
Der Meister hatte zu den Pharisäern gesagt: „Deswegen sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen werden und einer Nation gegeben werden, welche die Früchte dessen bringen wird.” (Matthäus 21,43) Sie waren die Führer einer vertrockneten und mystischen Religion, die keine Liebe in sich trug und scheinbar keine Verbindung zurück zu Gott hatte. Aber dennoch waren sie die Anführer. Sie gehorchten dem Gesetz peinlichst genau und brauchten weder Liebe noch Freude oder Frieden, weder Geduld noch Höflichkeit, Selbstkontrolle und all die übrigen Dinge, über die dieser Mann so viel sprach. Aber ausgerechnet diese Dinge eroberten die Herzen der Menschen. Die Führer hielten die Gesetze Moses und die Traditionen der Juden, die seit hunderten von Jahren weitergegeben worden waren. Und nun wurden ihre Landsleute von diesem Gotteslästerer in die Irre geführt. Wenn sie jetzt nicht etwas unternehmen, um ihre Schafe wieder in den Schafstall zurück zu holen, werden sie ihre ganze Nation verlieren.Der Kreis Seiner Jünger
„Kannst du bitte diese Nachricht
an meinen Sohn weitergeben?”, fragte
sie die neben ihr stehende Person. „Sage
Ihm bitte, dass Seine Mutter und Seine
Brüder hier sind, um Ihn zu sehen… Wir
müssen mit Ihm reden.“ Angespannt
wartete sie darauf, dass Er herausgerannt
käme. „Sicherlich wird Er
zu mir hinauskommen, um mit mir zu reden,
nach all dem, was ich für ihn getan
habe. Schließlich bin ich doch
”
Er würde nie Familien voneinander
trennen wollen, besonders nicht Seine
eigene, oder? Würde Gott jemals
so etwas verlangen? Nach einigen Minuten
bemerkte sie eine Stille über die
Menge kommen. Sie strengte sich an, um
zu hören, ob die Nachricht bei Ihm
angekommen war. Dann hörte sie die
Antwort. Ja, sie wusste, dass sie von
Ihm kam. Sie kannte Seine Stimme so gut. „Wer
ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?”
Verzweifelt schob sie diejenigen
beiseite die ihr im Weg standen, um näher
an Ihn heranzukommen, damit Er sie sehen
konnte. Jahschua schaute den Kreis Seiner
ünger an und sagte:
„Siehe da, meine Mutter und meine
Brüder? Wer immer den Willen Gottes
tut, der ist mein Bruder, meine Schwester
und meine Mutter.”(Matthäus
12,49-50) Diese Worte drangen wie ein
Schwert in ihre Seele ein. Er würde
also nicht nach draußen kommen.
Er war diesen Menschen gewidmet, die
dort mit Ihm saßen. Er würde
bei ihnen bleiben.
Die Worte Simons hallten mit unmissverständlicher
Klarheit in ihrem Herzen wider. Jetzt
verstand sie die damaligen Worte. Er
war zu dem Zeichen geworden, dem widersprochen
werden würde. Er war das Zeugnis
Gottes auf Erden geworden, dem sich alle
Kräfte des Bösen entgegenstellen
würden. Und das Böse manifestierte
sich in den religiösen Führern
ihrer Religion – den Predigern
in ihren Gemeinden und Synagogen. Sie
waren diejenigen, die gegen Ihn sprachen.
Aber Er kümmerte Sich nicht darum,
was die religiösen Führer über
Ihn dachten. Nein, Er versammelte Menschen
um Sich, die sich dieser besonderen Aufgabe
widmen würden. Sie würden die
gleichen Dinge tun wie Er – heilig
und geweiht zu sein, eine Nation, die
getrennt von der Welt lebt.Er würde
das wahre Königreich Gottes auf
Erden aufbauen, selbst wenn es die Mutter
vom Sohn und den Bruder vom Bruder
trennen würde. Er würde keinen
Kompromiss
eingehen
oder zulassen, dass das Evangelium
verwässert wird. Er wollte einen
Kreis von Jüngern, die Sein Herz
annehmen würden.
Darum sagte Er:
„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe füreinander habt.” (Johannes 13,35)Wie könnten Seine Jünger wahre Liebe füreinander haben, wenn sie noch immer ihr eigenes Leben lebten? Wie sonst hätten sie ihre Liebe außer durch ein gemeinsames Leben als Zeugnis leben können? Dieses Zeugnis würde die Menschen davon überzeugen, dass sie Seine wahren Jünger sind.
Dem Evangelium gehorchen
Der Meister wollte nie, dass es unter
Seinen Nachfolgern Zerteilung und Uneinigkeit
gibt. Liebe und Fürsorge sollte
unter ihnen herrschen, so dass Gottes
wahrer Charakter durch sie zum Ausdruck
käme.
Kurz vor Seiner brutalen Ermordung
betete Er aus tiefster Seele für
den größten Wunsch Seines
Herzen:
„Ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, auf dass sie EINS seien, wie wir EINS sind.” (Johannes 17,11)Ist Sein Gebet heute noch von Bedeutung? Sollte nicht etwas, was Seinerzeit von so großer Bedeutung war, auch heute noch wichtig sein? Sein Gebet hatte damals so großes Gewicht, dass die Menschen ihren Besitz aufgaben und ihre Familien verließen, um eins zu werden. Aber heutzutage leben die meisten, die behaupten, Ihm nachzufolgen, ihr eigenes, unabhängiges Leben und gehen ein - bis zweimal pro Woche zur Kirche. Und über die Worte des Meisters sagen sie: „Oh, das hatte damals seine Gültigkeit. Heute sind die Dinge eben anders.” Aber warum sollte der Guten Nachricht heute nicht mehr so wie am Anfang derselbe Gehorsam geleistet werden? Können wir nicht aus den einschläfernden religiösen Traditionen, mit denen wir aufgewachsen sind, ausbrechen und uns das lebhafte und aufregende Leben der ersten Gläubigen, wie es in der Apostelgeschichte geschrieben steht, zurückerobern?
|
|
|
|
|